Die kosmische Dimension der Eucharistie 
nach Hans-Joachim Rennkamp (vgl. Christ in der Gegenwart, 23/03)
Der Waldseer Teilhard-de-Chardin-Kreis feiert regelmäßig Eucharistie nach Texten Teilhards. Es geht uns um das bewusste Leben aus Teilhards Theologie und Hoffnung. Die Eucharistie ist uns dichteste Beziehung, die wir zu Christus haben können. Wir gehen hier dem nach, wie wir uns jede Eucharistie auf das "Niveau" der Vision Teilhards bringen können.
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Krippe inmitten der Galaxien
Teilhard de Chardin hat als einer der ersten die religiöse Revolution durchlebt, die von der Entdeckung der Evolutionstheorie ausging.
Diese ergab neue Sehweisen auf Anfang und Ende der Welt, auf Raum und Zeit, auf Materie und Geist.
Für uns ist die Krippe von Bethlehem nun nicht mehr nur der Stall bei Bethlehem. Sie steht im gigantischen Kosmos, der grenzenlos ist und erfüllt von brodelnden Galaxien, in denen sich die Erde weniger als ein Sandkorn ausnimmt. Es macht Angst, wie das "Licht der Welt" angesichts des Unermesslichen verschwindet - nur ein Lichtstrahl aus Jahrmilliarden Entfernung.
Diese Frage ist heute noch drängender:
Warum wurde Gott in Christus Mensch?
Warum entstand das Weltall?
Beide Fragen aber ergänzen sich. Die Antwort, ausgehend von Joh 1,1: "Im Anfang war das Wort..." "... alles ist durch das Wort geworden..." Jesus Christus ist mitten in der Schöpfung geboren. Er ist Teil der Schöpfung. Aber er ist auch der Schöpfer des Alls.
Skandalon oder Geheimnis des Glaubens? Oder beides?
Die Geschichte von Bethlehem wird zur kosmischen Größe. Gottes Menschwerdung erhält allumfassende Dimension. Jesus von Nazareth, Sohn des Zimmermann, ist Pantokrator, Gottessohn, universaler Christus. Der Kosmos wird göttlicher Bereich. Er trägt die Handschrift Gottes. Er ist durchlässig auf Gott hin, "diaphan". Christus vereinigt das Unendliche mit dem Geringsten.
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"Beseelte Materie"
Das Leben ist von göttlicher Gegenwart durchdrungen. Die Materie ist beseelt. Atome, Elektronen, Elementarteilchen haben alle ein "Rudiment von Immanenz", einen Funken Geist. Im Blick auf Kol 1,15 schreibt Teilhard: "Im inkarnierten Christus ist das Weltall vorgebildet worden."
Für Teilhard gibt es im gesamten weltlichen Bereich und Geschehen nichts nur Profanes. Überall ist "milieu divin", göttlicher Bereich. - Pan-Christismus: Alles ist in Christus begründet und auf ihn hin ausgerichtet. Darum erfährt Teilhard in einer Eucharistie in China während der Wandlung visionsartig den in der Hostie präsenten Christus als "Christus universalis" des Kosmos.
Dies sind die Elemente der Eucharistie:
  • die Realpräsenz Christi in den Gestalten von Brot und Wein - sie verweist auf Mahl- und Opfercharakter und auf die Gemeinschaft mit ihm (zentrale Präsenz) -
  • die Heiligung der Materie -
  • die Stiftung von Gemeinschaft untereinander -
  • die Öffnung der Welt, des Kosmos, auf den einst wiederkommenden Christus hin.
Vertrautes einerseits, aber auch Elemente die weiterverweisen.
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Die Hostie aus Brot umhüllt die Hostie des Weltalls
Teilhard fragt, wie uns der Einfluss des universellen Christus übermittelt wird. Er beklagt, dass die Hostie allzu häufig als "lokalisiertes, äußeres Element" aufgefasst wird. Für ihn ist die Hostie vor allem das Materiefragment, Zeichen des all-gegenwärtigen inkarnierten Wortes. "In der Hostie fixiert sich wirklich das Zentrum der personalen Energie Christi". Er bezeichnet die Beschaffenheit von Brot und Wein als "Primärleib" Christi.
Dabei bleibt es nicht.
Da Christus vor allem "universelle Form der Welt" ist, "Omega" - die mystisch-personale Anziehungskraft der eschatologischen Zukunft, der Punkt, über den hinaus nichts weiteres mehr zu denken ist, der Zielpunkt aller Geschichte - vermag er zur organischen Fülle nur zu finden, indem er sich "mystisch alles, was ihn umgibt" angleicht. Im Lauf der Jahrhunderte umhüllt sich die sakramentale Hostie aus Brot immer mehr mit einer anderen, "unendlich viel größeren Hostie, die nichts weniger ist als das Universum selbst."
Die Materie des Sakraments ist die Welt selbst.
Papst Johannes Paul beschreibt die eigenen Momente im Leben mit und aus der Eucharistie: "Das Antlitz Christi zu betrachten ist das Programm, auf das ich die Kirche in der Morgenröte des dritten Jahrtausends hingewiesen habe, indem ich sie einlade, mit Enthusiasmus für die Neuevangelisierung auf das Meer der Geschichte hinauszufahren. Christus zu betrachten bedeutet, ihn erkennen zu können, wo immer er sich zeigt, in den vielfältigen Formen seiner Gegenwart, vor allem aber im lebendigen Sakrament seines Leibes und seines Blutes. Die Kirche lebt vom eucharistischen Christus.
"Wenn ich an die Eucharistie denke, erinnere ich mich an die vielen Momente und Orte, an denen es mir gegeben war, sie zu feiern. Ich erinnere mich an die Pfarrkirche von Niegowic, die Kathedrale auf dem Wawel, die Peterskirche und die vielen Basiliken und Kirchen Roms und in der ganzen Welt. Ich konnte die heilige Messe in Kapellen an Gebirgspfaden zelebrieren, an Seeufern, an Meeresküsten; ich habe sie an Altären gefeiert, die in Stadien errichtet waren, auf Plätzen der Städte... Diese vielfältige Szenerie meiner Eucharistiefeiern lässt mich deutlich ihren universalen und kosmischen Charakter erfahren. Ja, kosmisch! Denn auch dann, wenn man sie auf dem kleinen Altar einer Dorfkirche feiert, wird die Eucharistie immer auf dem Altar der Welt zelebriert. Sie verbindet Himmel und Erde. Sie umfasst und erfüllt alles Geschaffene. Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um dem, der alles aus dem Nichts geschaffen hat, alles Geschaffene in einem höchsten Akt des Lobes zurückzuerstatten. Wahrhaftig, das ist das mysterium fidei, das sich in der Eucharistie vergegenwärtigt: die Welt, die aus den Händen Gottes des Schöpfers hervorgegangen ist, kehr zu ihm als eine durch Christus erlöste zurück."
Alles arbeitet in dieser Schöpfung mittelbar und unmittelbar, um bei der Konsekration des Universums zu helfen.
Das Brot symbolisiert, was immer die Schöpfung hervorbringt (aktives Element). Der Wein, was durch Leiden und Erschöpfung verloren geht (passives Element).
Teilhard lebt in und aus einem mystischen Gedankengut, das ihn in einer tiefen Beziehung zu den Dingen im einzelnen wie zum ganzen All hält; auch durchweht vom Hauch des göttlichen Geistes. Er befindet sich ständig, auch außerhalb der Eucharistie, in einer Art "kosmischer Kommunion". Er bekennt: "Wahrhaftig, ich fühle immer lebendiger, dass nur dieser 'Große Christus' mein Leben beseelen kann."
Der Theologe und Wissenschaftler Arthur Peacocke führt es weiter:       
"Die geschaffene Welt sehen wir als Symbol, weil sie ein Modus der Offenbarung Gottes ist. "Gott sorgt sich für die Welt und leidet mit ihr". Die Welt ist Symbol und Sakrament Gottes. Im menschgewordenen Christus wurde das Sakramentale dieser Welt hervorgebracht und vervollkommnet.
"In diesem Sinne wird das menschgewordene Leben Christi als das höchste Sakrament bezeichnet." 
Christus ist das "Ur-Sakrament".
Die Kirche das "Erst-Sakrament".
Das Universum das in die Menschwerdung Christi eingestiftete "Sakrament im Wachsen".
Peacocke sieht die Eucharistie als einen Mikrokosmos der Kreativität Gottes in der Welt, die in Christus ihren Höhepunkt findet. Orientiert an Teilhard bezeichnet er die kreative Beziehung Gottes zur Welt als seine "immanente Gegenwart in, mit und unter allen Prozessen der natürlichen Welt vom Urknall bis zur Menschheit".
Das sakramentale Denken ist dynamisch, geschichtlich und heilsgeschichtlich. Die geschaffene Welt ist ein Ganzes, Symbol und Instrument für das Handeln Gottes. Es ist eine enge, unzertrennliche Beziehung zwischen Gott und Schöpfung.
Das eucharistische Geschehen ist zuerst ein Beziehungsgeschehen, eine Interaktion zwischen menschlichem Handeln und göttlichem Tun. Christus ist in Brot und Wein gegenwärtig. Die Eucharistie ist Vergegenwärtigung und Hineinnahme in das Opfer Christi, das Vermächtnis des Neuen Bundes. Dann aber enthalten die eucharistischen Gaben im Vollzug durch Christus selbst einen neuen Wert. Sie stehen stellvertretend für die gesamte materielle Schöpfung, die dadurch erneuert wird.
In der Eucharistie zeigt sich die Natur des kosmischen Prozesses, der den Menschen bis zu diesem Punkt gebracht hat und zu der er von Gott zu bewusster und bereitwilliger Partizipation eingeladen ist. Das eucharistische Geschehen umfasst nicht nur die Schöpfung als ganze; sie eröffnet auch einen Ausblick auf die Parusie, den auf uns zukommenden Christus, dessen Kommen nicht nur angekündigt wird, sondern verborgenerweise schon immer im Gang ist, um das Seufzen der Schöpfung nach Erlösung und Herrlichkeit der Kinder Gottes zu erfüllen (Röm 8,20). Das zu vollendende Reich Gottes ist immer mitten unter uns. Die Zukunft des Auferstandenen ist die neue Schöpfung.
Im "mileu divin" steht am Ende "Die Erwartung der Parusie". Teilhard beklagt, dass heute die Adventshoffnung der Christen fast erloschen sei. Er fragt: "Warum, ihr Kleingläubigen, fürchtet ihr den Fortschritt der Erde? Alles versuchen für Christus! Vergöttlichen heißt nicht zerstören, sondern über-erschaffen. Wir können von der wachsenden Einheit der Menschheit nie genug erhoffen. Erhebe dein Haupt, Jerusalem. Empfange wie Jesus, deinen Meister, die Flut, die Überschwemmung des menschlichen Saftes. Die Erde kann mich in der Erwartung dessen, was in ihrem Schoss heranreift, auf die Knie zwingen. Ihre Bezauberungen können mir nicht mehr schaden, seitdem sie für mich jenseits ihrer selbst zum Leib dessen geworden ist, der ist und der kommen wird!"