| Für Teilhard ist die Hoffnung als Erwartung
die eigentliche Funktion. Sein Glaube ist ein Hoffnungsglaube. |
| "Die Welt kann, seitdem sie
menschlich geworden ist, nur voranschreiten, indem sie den geistigen
Kräften der Erwartung und der Hoffnung, das heißt der Religion, einen
immer ausdrücklicheren Platz einräumt" (Schau der Vergangenheit). |
| Die Zukunft des Menschen ist dann
offen, wenn dem Menschen die Möglichkeit gegeben wird, sich selbst zu
übersteigen; wenn sich ihm ein Tor öffnet, das fähig ist, den
Lebensstrom des Universums aufzunehmen. |
| Das Universum ist nicht sinnlos und
endet nicht im absoluten Tod. Es gibt den Sinn der Welt, der dem Menschen
die Zukunft gewährleistet. Hier kommt ein Glaube zur Sprache, mit dem der
Bereich der Erfahrung überstiegen und überhöht wird. |
| Teilhard durchbricht die Grenze des
erfahrbaren Universums mit Hilfe der geistigen Kräfte der Erwartung und
Hoffnung, aus denen für ihn wesentlich die Religion besteht und von denen
auch sein Glaube bestimmt wird. |
| Die inneren und bestimmenden Kräfte
des Glaubens nach Teilhard sind Erwartung und Hoffnung. |
| Dieser Erwartung muss eine Form
gegeben werden. Es ist der "Leib" einer unermesslichen total
menschlichen Hoffnung, die in der Verwirklichung der von der Erde
gestellten Aufgaben einen Fortschritt auf das Größere der Zukunft hin
sieht. |
| Diese Hoffnung ist ein Teil des
Glaubens und geht auf das Vertrauen auf Christus zurück. Glauben und
Hoffnung sind Stufen, die von einer weitergehenden Hoffnung überhöht
werden können. Sie sind Ausdruck für das dem Menschen innewohnende
Bewusstsein, er könne irgendwie "das Geheimnis der Wirklichkeit
entdecken". In dieser Hoffnung zeigt sich die grundlegende Kraft, von
der die Menschen immer weiter vorangetrieben werden, damit sie "nach
und nach alle zusammen die Hand an die tiefen Hebel der Evolution legen
können". Die Hoffnung ist der wesentliche Schwung, ohne den nichts
geschieht; die Basis für eine aktive und unmittelbare Mitarbeit an der
Evolution. |
| Indem Menschen die unendliche
Hoffnungen für sich entdecken, Hoffnungen auf eine unbegrenzte Zukunft,
offenbart sich im Menschen erneut das Bedürfnis zu einem Mehrsein zu gelangen.
Das
Christentum bietet mit seinen absoluten Hoffnungen und seinem absoluten Ziel in
besonderer Weise an, alles menschliche Hoffen in sich aufzunehmen. Wenn auch der Christ "das Ziel seiner Hoffnungen höher und ferner
ansetzt, so wird er doch nicht in sich die Bestrebungen und Entwicklungen
dessen zerstören, was der Kirchenlehrer Tertullian die 'natürliche christliche Seele'
genannt hat." |
| Es geht um die Transformation des
Christentums. Dies in dem Sinne, dass es nicht nur menschliche
Bestrebungen und Entwicklungen nicht zerstört, sondern dass es sich
diesen Bemühungen in zunehmendem Maße zuwendet: "Ich glaube,
die Welt wird sich nicht zu den himmlischen Hoffnungen des Christentums
bekehren, wenn sich nicht zuvor das Christentum zu den Hoffnungen der Erde
bekehrt." |
| Die Hinwendung des Christentums zu den
Hoffnungen der Erde ist für Teilhard aufgrund seiner Christologie leicht
zu vollziehen. Denn der universelle Christus, der "Christus, der mit
der Welt umkleidet ist", erweist sich in einer evolutiven Schöpfung nicht mehr nur als der, der "sich
als das Heil einer
übernatürlichen Seele anbietet, sondern auch als Retter der modernen
Welt und ihrer Zukunftshoffnungen." |
| Im Glauben an Christus, der so gesehen
werden kann, gründet sich die Zukunftshoffnung Teilhards. Glaube und
Hoffnung treffen sich in einer Bewegung, die das "Empor" und das
"Voran" umfasst. Denn "weil die Welt konvergiert",
sind "Menschen an der Arbeit": die dem Voran zugewandten
Menschen, "die Hoffnung.., die Gewissheit, dass eines Tages
der erwartete Durchbruch durch den 'eisernen Vorhang' (Durchbruch
in das Jenseits) erfolgen wird. Die Gewissheit, dass die Hoffnungen nicht
unbegründet sind, gewährt der Glaube: "Meine höchsten Hoffnungen:
der Glaube an Jesus erfüllt sie." |
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Teilhards Glaube ist
Hoffnungsglaube schlechthin. In der menschlichen Hoffnung sieht er die Hoffnung auf das Absolute aufleuchten. Es ist die Hoffnung, deren Erfüllung allein von Gott gewährleistet wird, während
sie menschlich gesehen ungesichert bleibt. Sie richtet sich auf ein
universales, ideales Ziel: an das man glaubt, auf das man hofft, aber das
man nicht greifen kann, da es universal zukünftig ist und wir uns
noch im Individuellen und Gegenwärtigen bewegen. Ein Ziel ist es, das
sich nicht anders offenbart als durch Jesus Christus. |
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Teilhards kosmische
Vision: |
| Er versuchte die Synthese von
Wissenschaft und Glaube. Es gibt für ihn nur eine Wahrheit. Sie kann
auf verschiedenen Wegen angegangen
werden. |
| Die Naturwissenschaft befasst sich mit
einem Phänomen in der materiellen Erscheinungsform und entdeckt darin
eine Seite der Wahrheit. |
| Die Metaphysik lehrt eine andere Seite
der gleichen Wahrheit. |
| Zwischen beiden gibt es keinen
Widerspruch. Ebenso wenig wie sich die Materie dem Geist widersetzt, tritt
die Wissenschaft in den Gegensatz zur Religion. |
| Teilhard entwirft das Bild des Kosmos,
an dessen Zustandekommen alle Zweige der Naturwissenschaft mitwirken. Das
gewaltige Fresko im Maßstab des Universums ist die Geschichte des Lebens:
Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Es geht um Kosmogenese und
Antropogenese. Teilhards Sicht ist nicht statisch; sie widmet sich dem
ständigen Werden. |
| Es geht um die Antwort auf die Frage
nach dem Einen und dem Vielfältigen. Teilhard entdeckt die Einheit der
Dinge unter der Vielfalt ihres Außen, wenn er die geistige Energie
erfasst: materielle und geistige Energie lassen sich auf eine und dieselbe
Grundenergie zurückführen. |
| So ergibt sich ein neuer Begriff
der Evolution. |
| Wenn die Naturwissenschaft lehrt, am
Beginn der Welt sei die Materie ein Gas von undifferenzierter Energie
gewesen, das durch Kondensation erste Energiekörper bildete, sieht
Teilhard, dass diese Energie universeller Natur ist, dass sie am Beginn
aller Materie steht, dass sie zugleich Materie ist und eine psychische
Kraft. Jede beliebigen Partikel wiederholt in sich diesen doppelten Aspekt
der Energie und besitzt das, was Teilhard als Außen oder materiellen
Aspekt einerseits und als Innen oder psychischen, geistigen Aspekt
andererseits benennt. |
| Die Evolution besteht in einer
gigantischen geduldigen Arbeit. Auf Grund dieser bilden, ausgehend von
den Energie-Körnern, die Elemente die Materie, deren
Vereinigung und Kombination zunächst die Atome, dann die Moleküle
aufbaut. So erscheinen mit der Zeit immer neue Formen mit neuen
Eigenschaften. Es gibt aber keine einfache Aneinanderreihung der sich bildenden
Elemente, sondern eine innere Anordnung, die einer sich neu bildenden
Wesenheit entspricht. |
| Das Fortkommen der Evolution geht
weiter. Der gleiche Vorgang der Komplexifikation führte zur Geburt der
Zelle, der Amöben und der immer komplizierteren Strukturen - bis hin zum
Menschen. |
| Der Mechanismus der Evolution
beruht auf dem dynamischen Charakter der ersten Energie - der geistigen
und materiellen. |
| Die die Materie bildende Kraft nennt
Teilhard die tangentiale Energie. |
| Die psychische Form der Energie nennt
er die radiale. |
| Die tangentiale Energie begründet die
Solidarität der Elemente untereinander. Die radiale sucht immer neue
Formen der Evolution. |
| Teilhards Bild von der Evolution steht
unter dem Gesetz des Determinismus. Sein tiefster Beweggrund ist das
Emergieren des Geistes. Dieser schließt nicht aus, dass die Natur
zahllose Tastversuche unternimmt bei der Suche nach immer gemäßeren und
komplexeren Formen. Diese Versuche zeigen eine Unzahl von Misserfolgen, so
dass Teilhard sagen kann: "Das Leben schreitet über ein Brücke,
die aus lauter Kadavern aufgetürmt ist." |
| Die Logik dieser Emergenz des Geistes
demonstriert de Chardin an der Tatsache, dass bei dem Wachsen der
Komplexität, in dem sich die Evolution vollzieht, ebenso ein parallel
verlaufendes Anwachsen des psychischen Phänomens dazukommt. Daraus macht
er ein Gesetz, das "Teilhard'sche Gesetz" von Komplexität und
Bewusstsein. |
| Danach ist bereits im ersten
Materie-Körnchen eine Art von psychischem Phänomen vorhanden. Dessen
Stärke und Bedeutung wächst in dem Maße, wie man die Stufenleiter der
Wesen emporsteigt, um im Menschen den Höhepunkt zu erreichen. Dieses
Phänomen nennt er Bewusstsein. Im Menschen überschreitet es eine
kritische Schwelle, die zum Auftreten einer neuen Eigenschaft führt: der Reflexion, zu der das Bewusstsein nun fähig geworden ist. |
| Diese Fähigkeit des Bewusstsein
verwandelt die Gestalt der Welt. "Mit dem Auftreten des Menschen
erhält die Erde eine neue Haut" schreibt Teilhard. Von nun an ist
der Mensch "Achse und Pfeil der Evolution". |
| Der Mensch wandelt die Geschichte der
Erde von Grund auf. Wenn die Menschheit im Laufe der Zeit fortgeschritten
ist, um bei der Zivilisation des Atomzeitalters anzukommen, dann hat
allein die reflektierende Intelligenz diesen Fortschritt zuwege gebracht.
Durch sie ist der Mensch zum Herrn und Meister der Materie geworden. In
Zukunft wird die Evolution ihre Kraft auf das Anwachsen des
reflektierenden Bewusstseins, auf die Ausdehnung und Entfaltung des
Geistes in der Welt konzentrieren. |
| Auch die Einzelbewusstsein sind dem
Teilhard'schen Gesetz untergeordnet. Ihre konvergierende Zusammenfassung
unter der Einwirkung der Sozialisation wird in ständigem Fortschritt die
Noosphäre konstituieren, in deren Schoß sich bereits ein Menschheitsbewusstsein
bildet, ein Überbewusstsein, das dann die Geschicke der Menschen lenken
wird. |
| Wenn die Menschheit der Tendenz folgt,
sich in einem großen von einem Geist beseelten Leib zu konstituieren,
wird durch die Vereinigung der Individuen auch die Personalisation jedes
Einzelnen nur gefördert werden können: "Vereinigung
personalisiert". |
| Teilhards Bild vom Kosmos ist eine
Kosmogenese. In ihr werden die Wesen nicht in ihrer statischen
Erscheinungsform, in jener irrealen Bewegungslosigkeit der klassischen
Kosmologien gesehen, sondern in der Bewegung ihres Werdens. Im Herzen
dieser Kosmogenese baut Teilhard seine Anthropogenese auf: auch der Mensch
befindet sich in ständigem Werden. Die Achse der Evolution selbst
geht mitten durch den Menschen. "Vor-Leben, Leben, Denken - diese drei
Ereignisse haben in der Vergangenheit dieselbe Flugbahn
aufgezeichnet und bestimmen sie für die Zukunft: die Kurve des
menschlichen Phänomens. |
| Wenn die Sicht Teilhards
optimistisch ist, dann, weil er Vertrauen in die Zukunft des
Menschen hat. Für ihn lässt der Ausgang des Universums, das für die
Parusie bestimmt ist, keine Zweifel übrig. Sein Optimismus steht im
Widerspruch zu den entmutigenden Ideen vieler Philosophen, die unablässig
über die Abgründe der Verzweiflung gebeugt sind. Für Teilhard ist nur
das Gelingen der Evolution von Bedeutung, dessen Eintritt der Mensch aber,
wenn er seiner Bestimmung zuwiderhandelt, letztlich auch nur verzögern
kann. Um den Enderfolg sicherzustellen, fordert Teilhard,
"alle positiven Werte der Kultur in einer erhebenden Totalität zu
vereinigen, weil dies den Menschen ermöglichen
wird, "die Erde zu erbauen" und sich "dem Geist der
Erde" zu öffnen. |
| Was erwartet uns am Ende unserer
Entwicklung? Teilhard verlangt, dass wir das Ziel der Evolution auf der
normalen Verlängerung der Evolutionslinie der Vergangenheit erblicken. Es
ist nicht schwer zu verstehen, dass das Endziel in nichts anderem liegt,
als im Triumph des Geistes und des Bewusstseins, die auf dem Höhepunkt
ihrer inneren Spannung angelangt sind. |
| Wenn der Höhepunkt der in der Welt
gesammelten Kräfte erreicht sein wird, ist das Ende der konvergierenden
Bewegung gekommen, die vom Anfang an nie aufgehört hat, den ganzen
Evolutionsprozess auf diesen einen Gipfelpunkt zu zentrieren. |
Dieser Gipfelpunkt ist Omega.
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| Das ist eine doppeldeutige Benennung:
auf der einen Seite liegt sie auf der Linie der bio-psychischen Konzeption
des Wissenschaftlers. Auf der anderen lässt sie die Offenbarung des
Johannes aufklingen: Gott, das Alpha und Omega aller Dinge. |
| Diese Auffassung erhält im
Zusammenhang der kosmischen Vision Teilhards eine weitere Bedeutung: Die
Evolution beruht auf einem Gesetz der Liebe. Die erste Energie, die vor
der Bildung der Materie da war und die zusammengenommen das Baumaterial
der Welt darstellt, kann in authentischer Weise als Liebe gelten. Teilhard
sieht die Liebe als höhere Form und totalisierendes Prinzip der
menschlichen Energie. Schon in der Architektur der primitiven Elemente ist
die Liebe am Werden, um sich im weiteren Verlauf der Evolution in ständig
steigendem Maße Ausdruck zu verschaffen. |
| Die Liebe als Energie entspringt im
innersten Bezirk der Kosmogenese und breitet sich im Menschen aus. Dessen
Bestimmung enthüllt sich als eine Ausrichtung auf die Verwirklichung
eines Über-Bewusstseins, das nun nicht mehr rein intellektueller Natur
ist, sondern ein volles Entflammen seines gesamten geistigen Wesens und
seiner Seele einschließt, die auf Omega-Gott, das transzendente,
personale Feuer der Liebe, hin gerichtet ist. Der Mensch ist geschaffen,
um zu lieben. Der Kosmos existiert einzig und allein für die höchste und
unsterbliche Vollziehung dieser Liebe. |
Teilhards Gedanken können als
Grundlage zum Aufbau einer neuen Gesellschaft dienen, in der der Gegensatz
zwischen Materialismus und Spiritualismus aufgehoben ist zugunsten einer
ausgleichenden Konzeption, innerhalb derer Materie und Geist gemeinsam
daran mitwirken werden, die Menschen und durch sie hindurch die Menschheit
zu ihrem höchsten Ziel zu führen.
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