Teilhards Glaube an Gott
Wir befassen uns mit der zentralen Frage aller Religionen;
ausgehend von bekannten "Gottesbildern" und "Gottesbeweisen"...
Teilhards Glaube richtet sich ausschließlich auf den christlichen Gott.
Wohl skizziert er das Bild Gottes in seiner Weltsicht in ungewohnter Weise. Er spricht vom "Gott der Evolution", vom "Gott des Kosmogenese". Er lehrt, Gott überall und in allem zu sehen. Sein Standort ist dennoch der christliche Glaube, der ihm die Gewähr gibt, dass der wahre christliche Gott auch für den heutigen Mensche erfahrbar ist.
Aber Teilhard sagt, dass wir Bilder brauchen, die einer dynamisch-evolutiven Weltsicht entsprechen. Der Glaube muss eine Komponente auf der Linie des menschlichen Fortschritts entwickeln, wenn er "von neuem die Welt zum Vibrieren und zur Resonanz bringen" will.
Teilhard will nicht Gottesbeweise im herkömmlichen Sinn entwickeln; er versucht den Glauben so zu sagen, das Gott in den Strukturen einer evolutiven Weltsicht sichtbar wird. Denn die Wissenschaft kann zwar den Aufbau und den empirischen Verlauf der Evolution erkennen, nicht aber die Sinnfrage der Welt beantworten.
Die Antwort kann nur der Glaube geben.
Dementsprechend konnte Teilhard eine auf Omega ausgerichtete Weltschau konzipieren, weil ein "gläubiges Bewusstsein" von der lebendigen Wirklichkeit Christi vorgegeben war.
Für Gott muss sich der Mensch entscheiden - eine wichtige Entscheidung, von der alles andere abhängt.
Mit der Anerkennung Gottes, die nicht nur Sache des Menschen allein ist, sondern auch "unter dem Einfluss der Gnade" geschieht, verlässt Teilhard den wissenschaftlichen Rahmen der Hypothese und gewinnt die "Gewissheit" einer das rein Weltliche und weltlich Erfahrbare überhöhenden transzendenten Zukunft. Sie ist der Garant, dass Welt und Menschheit das "natürliche Ziel ihres evolutiven Wachsens" erreichen wird. Der Funke der Wiederkunft Christi, der Parusie, kann nur zwischen dem Himmel und einer Menschheit überspringen, die einen bestimmten kritischen Punkt erreicht hat - analog, zum Mysterium der ersten Weihnacht, das sich nur zwischen dem Himmel und einer sozial, politisch und psychologisch zum Empfang Jesu bereiten Erde vollziehen konnte.
Wenn Gott der Garant dieser transzendenten Zukunft ist, dann darum, weil ihm die Eigenschaften zukommen, die ihn als den Größeren gegenüber dem Universum auszeichnen. Darum bleibt Gott auch in der Gesamtschau das Sein an sich, er "subsistiert unabhängig von Raum und Zeit in sich selbst". Er ist darum transzendent, unendlich, allgegenwärtig und das absolute Ziel des Universums. Er ist nicht "Irgend-Etwas", sondern ein "Jemand", ein personaler Gott.
Teilhard bleibt nicht bei bekannten Attributen stehen. So war es ihm wichtig, das Bild zurechtzurücken, in dem "der Gott als ein Großgrundbesitzer erscheint, der seine Ländereien bewirtschaftet". Innerhalb der evolutiven Weltsicht muss an die Stelle des alten "Handwerker-Gottes", der die Welt Stück für Stück ins Leben gerufen hat, ein "Deus evolutor" treten, für den Schaffen "Vereinigen" heißt. Dies im Sinne eines Aufstiegs der Welt vom unendlich Vielen zur Einheit. Das Wirken Gottes drückt sich im Prozess der Evolution aus; Teilhard sagte, dass "Gott die Dinge weniger schafft, als dass er sie sich schaffen lässt".
In der Welt, die sich auf eine wachsende menschliche Einheit hinbewegt, in der der Mensch als Gestalter der Evolution seine Welt und seine Zukunft in dem Sinne schafft, als Gott auch und gerade durch den Menschen die Dinge sich schaffen lässt, gewinnt nicht nur dem Schöpfungsauftrag eine konkrete Basis. Auch einer der "grundlegendsten Begriffe" des christlichen Glaubens - die Liebe - zeigt sich als entscheidender Aspekt christlichen Lebens und Handelns. Gott ist die Liebe. Das heißt bei Teilhard nicht nur, dass Gott sich im einzelnen und der gesamten Menschheit in Liebe zuneigt, dass er in Christus seine Liebe unter den Menschen offenbart, sondern Christus erscheint wirklichkeitsnäher denn je als zeichenhafte Verleiblichung der Liebe Gottes unter den Menschen: "Liebet einander, indem ihr in der Tiefe eines jeden von euch das Werden desselben Gottes erkennt.
Darin zeigt sich das wesentliche Strukturgesetz dessen, was wir Fortschritt und Evolution nennen. So zeigt sich jetzt deutlicher der Wert und die Funktion der Gottesliebe für den Aufbau der menschlichen Welt. Gottes Liebe, die bisher als eine individuelle Beziehung zwischen den Menschen und dem Gipfel der Welt studiert wurde, muss jetzt als die höchste und universellste Form des Tätigseins begriffen werden.
Wenn Teilhard vom "Werden Gottes" spricht, ist das kein naturalistischer Werdeprozess. Entsprechend der theologischen Überzeugung, dass sich die Offenbarung im Fortschreiten der Geschichte immer mehr entfaltet und zu entfalten ist, benutzt er hier nur einen bildhaften Ausdruck dafür, dass "korrelativ zu der wachsenden Erwartung der Menschheit nach und nach das Antlitz Gottes durch die Welt hindurch größer zu werden scheint. Die dem Menschen übertragene Aufgabe, die Einheit der Welt aufzubauen, stellt sich nicht anders dar, als die Entdeckung Gottes. Das Werden Gottes besagt, dass auch das Bild Gottes dynamisch gesehen werden muss. Der Mensch muss sich um eine immer bessere Erkenntnis Gottes mühen, ohne dass er ihn ganz begreifen kann. "Gott bietet sich unserem begrenzten Sein nicht als eine fix und fertige Sache an, die es zu umarmen gelte. Er bleibt die ewige Entdeckung und das ewige Wachsen. Je mehr wir ihn zu begreifen glauben, um so mehr offenbart er sich als ein anderer.
Gott in seiner Schöpfung erkennbarer zu machen, betrachtet Teilhard als eine seiner Hauptaufgaben. "Mit jenen, die mir folgen möchten", will er auf die Agora zurückkehren. Dort werden wir den Apostel Paulus den Leuten vom Areopag sagen hören: 'Gott, der den Menschen geschaffen hat, damit dieser ihn finde - Gott, den wir durch das Tasten unseres Lebens hindurch zu greifen suchen - dieser Gott ist ebenso ausgebreitet und greifbar wie eine Atmosphäre, in die wir eingetaucht wären. Er umhüllt uns von allen Seiten wie die Welt selbst. Was fehlt euch also, damit ihr ihn umarmen könntet? Ein einziges: Ihn sehen'.
Sehen, erkennen kann der Mensch Gott in seiner Schöpfung. Nicht in dem Sinne, als ob Gott sich dem Menschen aufzwingen würde. Vielmehr so, wer einen Sinn und ein Ziel im Universum anerkennt, wer "durch das Tasten" seines Lebens Gott zu fassen sucht, wird die "Diaphanie" Gottes im Universum wahrnehmen.
Er durchdringt die Schöpfung "wie ein Strahl einen Kristall" und zeigt sich "mit Hilfe der unermesslichen Schichten des Geschaffenen... für uns als universell greifbar und wirkend erfahrbar - ganz nahe und zugleich sehr fern".
Die christliche Intention Teilhard drückt sich in der vermittelnden Position Christi aus. Es ist der kosmische Christus, durch den  hindurch und in dem Gott sichtbar wird. In Christus, "im Inkarniertesten seiner selbst", hat Gott sich der Welt mitgeteilt und zu erkennen gegeben. In Christus haben Gott und Welt ihren Berührungspunkt. In Christus "kosmisiert" sich Gott, und in ihm erreicht der Mensch "Gott durch die Welt hindurch".
Nur weil Gott sich in Christus der Welt mitgeteilt hat und so das "Transzendente teilweise immanent" werden ließ, weil sich durch die Inkarnation das "Gewölbe des Universums etwas geöffnet hat, kann der Mensch eine Antwort auf die Frage nach Sinn und Ziel der Welt und des Lebens geben. Er stützt sich dabei auf die Gewissheit einer "von oben gegebenen Offenbarung."
Das zeigt, dass die Weltsicht Teilhards von ihren Wurzeln her nicht durch einen Akt des Erkennens, sondern des Anerkennens geprägt wird. Indem der Mensch anerkennt, dass die Welt in Gott ihr Ziel hat, wird er sich als Träger und Gestalter der Evolution seiner Eigenverantwortung für den Aufbau dieser Welt bewusst - ohne dass er damit aus der Verantwortung vor Gott entlassen wäre. Hier findet der Schöpfungsauftrag Gottes an den Menschen eine Basis, die dem Weltverständnis des modernen Menschen gerecht wird. Durch und mit dem Menschen soll die Schöpfung vollendet werden, denn das "ist letzten Endes der Sinn und Wert unseres Tuns. Kraft des durchgehenden Zusammenhangs Materie-Seele-Christus bringen wir, was immer wir auch tun, Gott eine Partikel des Seins, das er wünscht."

"Gott" - Adolf Haas, Teilhard de Chardin-Lexikon, Grundbegriffe, Herderbücherei 1971
1. Gott als "erstes Sein"
Für Teilhard ist Gott als Grund alles Seienden, als Erstursache der Welt und des Menschen, als letztes Ziel aller Wesen - Omega eine logische und seinsmäßige Notwendigkeit. Ohne Gott wird alles absurd.
Gott wird für ihn lebendige und erlebte Wirklichkeit und Gegenwart. Sosehr Gott das ewige Sein an sich ist, ist Gott für unser Erkennen und Erleben "überall in Bildung begriffen" (Lobgesang des Alls). Gott zeigt sich uns nicht als fertige Sache, die wir nur anzunehmen hätten. Er bleibt für uns die ewige Entdeckung und das ewige Wachstum. Weil Gott sich als das absolute Geheimnis darstellt, das in allem gegenwärtig, aber doch über alles hinaus ist, zieht er sich von jedem Zugriff zurück, zieht uns aber dadurch "in die Tiefen seiner selbst hinein". So ist Gott Das Herz und das Jenseits aller Dinge.
2. Gott als Person
Gott muss für Teilhard Antlitz und Herz haben. Der Ozean, in den alle geistigen Ströme des Universums münden, ist nicht nur etwas, sondern ein Jemand. Ein unpersönlicher Gott wäre für Teilhard nicht Gott. Der Schöpfer einer Welt. die auf den Menschen ausgerichtet ist und die sich immer mehr personalisiert und auf einen letzten göttliche Zielpunkt hin tendiert, muss selbst Person sein, sonst wäre er dem von ihm geschaffenen Universum unterlegen. 
Gott als brennender Geist, personales, ungründliches Feuer, hebt auch die Versuchung des Pantheismus auf, der alles in einer zerstörerischen Zerschmelzung aufgehen lässt. Teilhard wollte der Anbeter eines Wesens sein, das größer ist als die Welt. Teilhard wollte der Anbeter eines Wesens sein, das größer ist als die Welt. Gerade eine evolutive Weltsicht stellt die Frage nach dem Ziel der Evolution. Das Gottesproblem besteht im Wesentlichen in der Frage nach einem Brennpunkt der Personalisation.
Allein ein personaler Gott entspricht den Anliegen der menschlichen Person, die auf ein "Du" verwiesen ist und in den letzten Daseinsfragen nach dem göttlichen Du verlangt. Offenbarung ist nur von einem personalen Gott her verständlich. Teilhard setzt sich damit von dem modernen Positivismus ab, der Gott nur als uferloses Meer, als eine diffuse Unermesslichkeit betrachtet.
Teilhard wusste, dass die beiden Bedingungen seines Gottesbildes - Kosmische Universalität und Personalität - als Widerspruch gesehen werden konnte. Denn wie konnte der Gott der kosmischen Evolution zugleich der höchste personale Gott sein, von dem wir uns um so mehr unterscheiden, je mehr wir uns in ihm verlieren? Daher ist es Aufgabe, sich von den alten Gottesbildern zu trennen: "die Welt wird in Zukunft die Knie nur mehr vor dem organischen Zentrum ihrer Evolution beugen."
Die Personalität Gottes muss mit den tiefsten Anliegen einer in Entwicklung begriffenen Welt verbunden werden. In Christus, der Schöpfer der Welt und zugleich der und als Mensch gleich gewordene Erlöser, sind beide Bedingungen in höchste Weise erfüllt. "Das Christentum ist besonders die Religion der Person".
3. Gott, geoffenbart in Christus
Die Botschaft Christi bedeutet den Höhepunkt der Offenbarung. In Christus ist uns Gott personal nahegekommen. Niemand hat Gott gesehen. Christus ist in die Welt gekommen, um Gottes Namen kundzutun. In Kreuz und Auferstehung offenbart sich der zürnende und zugleich gnädige Gott gegen alle menschliche Kraft und Weisheit. Die wesentliche Botschaft Christi sieht Teilhard in der Verkündigung einer göttlichen Vaterschaft.
4. Gott und Christus in allen Dingen
Da Christus Schöpfer als Gott und Erlöser durch seine Menschwerdung ist, ist er in größter Intimität mit allem Seienden verbunden. Er ist das Herz von allem, ein unendlich nahes und zugleich unendlich fernes Zentrum. So ist es Teilhards Anliegen: Gott in allen Dingen finden.
5. Gott und die evolutive Welt
In einer Welt, die auf Omega hin konvergiert, öffnet sich der Sinn für die Erde und bricht nach oben in den Sinn für Gott auf. Die Evolution bietet eine Möglichkeit, sich noch tiefer Gott nahe zu fühlen und hinzugeben. Ohne die Realitiät des lebendigen Gottes gibt es für die Menschheit wie für das Einzelwesen keine andere Aussicht als den vollständigen Tod. In einer evolutiven und konvergenten Welt steigt aber alles zu einem immanenten Brennpunkt empor. Aber von ihm steigt auch alles wie von einem transzendenten Brennpunkt herab. 

Blaise Pascal
19.06.1623-19.08.1692
Als Forscher und als Christ vermochte er Wissenschaft und Glauben, Verstand und Herz in Einklang zu bringen. In vielem eröffnete er der modernen Naturwissenschaft den Weg. Sein Geist war erhellt vom Glauben. Im wachsenden Leiden seiner letzten 15 Jahre wuchs er immer mehr in der Liebe. Was man seine "Bekehrungen" nennt, sind  Etappen auf dem Weg zur Vollkommenheit des Evangeliums.
Memorial vom 23. November 1654
Das Jahr der Gnade 1654
Montag, 23. November, Tag des heiligen Clemens, Papstes und Martyrers und anderer im Martyrologium. Vigil des heiligen Chrysogonus, Martyrers und anderer.
Von ungefähr zehn bis ein halb Uhr am Abend bis ungefähr eine halbe Stunde nach Mitternacht, Feuer.
"Gott Abrahams, Gott Isaaks, Gott Jaakobs, nicht der Philosophen und Gelehrten."
Gewissheit, Gewissheit. Empfindung. Freude. Friede.
Deum meum et Deum vestrum.
"Dein Gott soll mein Gott sein".
Vergessen der Welt und aller Dinge, ausgenommen Gott.
Er wird nur auf den Wegen gefunden, die im Evangelium gelehrt sind.
"Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, aber ich habe dich erkannt."
Freude, Freude, Freude, Tränen der Freude.
Ich habe mich von ihm getrennt: Dereliquerunt me fontem aquae vivae. "Mein Gott, wirst du mich verlassen?" Möge ich nicht ewig von dir getrennt werden.
"Dies ist das ewige Leben, dass sie dich erkennen, den einzigen, wahren Gott und den, den du gesandt hast, Jesus Christus."
Jesus Christus.
Jesus Christus.
Ich habe mich von ihm getrennt; ich bin vor ihm geflohen, ich habe ihn verleugnet, gekreuzigt. Möge ich nie von ihm getrennt sein.
Er wird nur auf den Wegen bewahrt, die im Evangelium gelehrt sind: vollkommen, innige Entsagung.
Vollkommene Unterwerfung unter Jesus Christus und unter meinen geistlichen Führer.
Ewig in der Freude für einen Tag der Plage auf Erden.
Non obliviscar sermonem tuos. Amen.