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I. Prolog Da es dem heutigen Menschen unmöglich geworden sei, eine Harmonie zwischen den modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Christentum wahrzunehmen, ist im Sehen für Teilhard das ganze Leben in seinem Wesen beinhaltet. Dem Menschen sei ein höheres Sein bestimmt, das er aber nur durch ein umfassendes Vereintsein erreichen könne. Dieses setze wachsendes Bewusstsein voraus, das aber wiederum bedeute „Schau“. In der Evolution wurden die denkenden Wesen mit immer vollkommeneren Augen ausgestattet, was ihnen die Möglichkeit eines schärferen Unterscheidungsvermögens bot. Dieses Geschenk der Natur, „die Fassungskraft des Blickes“, sei die Daseinsberechtigung des Menschen. Es bedeute keinen Luxus, sondern es stelle ihn vor die Wahl: „Sehen oder zugrunde gehen“. Anfänglich wollten die Wissenschaften die Erscheinungen „an sich“ betrachten, so dass sie selbst nicht von ihnen beeinflusst würden, doch bald bemerkten sie, dass ihre Beobachtungen von althergebrachten Denkmustern verfälscht waren. Erst wenn sich der subjektive Gesichtspunkt mit der objektiven Schau der Dinge verbindet, dann nimmt der Mensch wahr. Die Wahrnehmung ist ein Merkmal des menschlichen Erkenntnisvermögens. Deshalb nimmt der Mensch eine Vorzugsstellung ein. Er steht an einem Knotenpunkt, von dem aus er aufgrund seiner Erfahrung Zugang zum Kosmos findet. Schau ist höheres Sein. Den Menschen zu betrachten bereichert unser Leben. Zu seiner eigenen Entdeckung durchlief der Mensch eine Reihe von Epochen, die sich in stufenweise erworbenen Sinnen widerspiegeln. Es sind dies „der Sinn für den in seiner Kleinheit unermesslichen Raum“, der die vielen Dinge, die uns umdrängen, entwirrt, „der Sinn für die Tiefe der Zeit“, der uns befähigt, Ereignisse in unmessbare Zeiträume zurückzuverlegen, „der Sinn für die Zahl“, der zur Einschätzung der Menge der Elemente des Universums von Bedeutung ist, „der Sinn für die Proportion“, der das unendlich Kleine vom unendlich Großen unterscheidet, „der Sinn für die Qualität oder Neuheit“, der uns absolute Stufen von Vollkommenheit erkennen lässt, „der Sinn für die Bewegung“, durch den das Neue, das trotz der scheinbaren Wiederholung des Gleichen heimlich Platz greift, entdeckt werden kann und „der Sinn für das Organische“, der es uns ermöglicht, die Vielfalt der belebten Erde nach ihrer strukturellen Zusammengehörigkeit zu differenzieren. Die Schau des Menschen vollzieht sich deshalb innerhalb der Menschheit, innerhalb des Lebens, innerhalb des Universums. Es sind die Ereignisse, die die Kurve des Phänomens Mensch in der Vergangenheit gezeichnet haben und weiter für die Zukunft vorausbestimmen: die Vorstufe des Lebens und das Denken. Für Teilhard war der Augenblick gekommen, der eine positivistische Erklärung des Universums notwendig machte, die sowohl die Innenseite der Dinge wie auch ihre Außenseite betrachten musste, wenn man dem Geist ebenso wie der Materie gerecht werden wollte. Teilhard interessierte sich als Geologe für die Bildung der Erde und verfolgte das Wachstum des Lebens darauf. In Südafrika wurde er Zeuge der Ausgrabung des Australopithecus, einer Vorstufe des Menschen, der bereits vor drei Millionen Jahren aufrecht ging. In Peking beteiligte er sich an der Ausgrabung des Sinanthropus, eines Homo erectus, der vor ca. einer Million Jahren Steinwerkzeug verwendete und Feuer machte. In einer Konvergenzbewegung begannen die Menschen zu einer Menschheit zusammenzuwachsen. Das Sinnziel der Bewegung ist für Teilhard das Zentrum, das er mit Christus identifiziert, der von den Menschen als innerstes Prinzip erreicht werden sollte. Er versuchte, den üblichen Bruch zwischen Christus und der Welt in eine Konjunktion zu verwandeln, so dass Christus den Menschen im Herzen der Materie den Weg weise. In seiner Schrift Mein Glaube (Comment je crois) spricht Teilhard von seiner angeborenen Liebe zur Erde, die er als Ganzes versteht. Damit meint er die evolutionäre Entfaltung in verschiedenen Stufen bis hin zum Geist. Er setzt einen persönlichen Gott voraus, eine Über-Person, die mit Unsterblichkeit begabt ist und das menschliche Wesen personalisiert. Für ihn ist das Christentum die einzige Religion, die seinen Glauben definiert, nämlich die Liebe zur Erde als die Liebe zu Christus. Gesegnet
seist du, herbe Materie, unfruchtbarer Boden, harter Fels, Gesegnet
seist du, gefahrvolle Materie, gewalttätiges Meer, unzähmbare
Leidenschaft, Gesegnet seist du, machtvolle Materie, unwiderstehliche Evolution, immer neugeborene Wirklichkeit, du, die du in jedem Augenblick unsere Rahmen sprengst, uns zwingst, die Wahrheit immer weiter zu verfolgen. Gesegnet seist du, universelle Materie, grenzenlose Dauer, uferloser Äther - dreifacher Abgrund der Sterne, der Atome und der Generationen - du, die du, unsere engen Maße überflutend und auflösend, uns die Dimensionen Gottes offenbarst. Gesegnet seist du, undurchdringliche Materie, du, die du, überall zwischen unsere Seelen und die Welt der Wesenheiten gespannt, uns vor Verlangen schmachten lässt, den nahtlosen Schleier der Phänomene zu durchstoßen. Gesegnet seist du, tödliche Materie, du, die du uns, eines Tages in uns zerfallend, mit Gewalt in das Herz selbst dessen einführen wirst, was ist. Ohne dich Materie, ohne deine Angriffe, ohne dein Herausreißen würden wir träge, stillstehend, kindisch, unwissend um uns selbst und um Gott dahinleben. Du schlägst und du verbindest - du widerstehst und du beugst dich - du stürzest um und du baust auf - du verkettest und du befreist - Saft unserer Seelen, Hand Gottes, Fleisch Christi, Materie, ich segne dich. Ich
segne dich, Materie, und ich grüße dich, nicht so, wie dich die hohen
Herren der Wissenschaft Ich grüße dich, unerschöpfliche Fähigkeit des Seins und der Transformation, in der die erwählte Substanz keimt und wächst. Ich grüße dich, universelle Potenz der Annäherung und Vereinigung, durch die sich die Menge der Monaden verbindet und in der sie alle auf der Straße des Geister konvergieren. Ich grüße dich, harmonische Quelle der Seelen, klarer Kristall, aus dem das Neue Jerusalem gewonnen wird. Ich grüße dich, mit schöpferischer Kraft geladenes, göttliches Milieu, vom Geist bewegter Ozean, von dem inkarnierten Wort gekneteter und beseelter Ton. In dem Glauben, deinem unwiderstehlichen Ruf zu gehorchen, stürzen sich die Menschen häufig aus Liebe zu dir in den äußeren Abgrund egoistischen Genießens. - Ein Widerschein täuscht sie, oder ein Echo. Das sehe ich jetzt. Um dich, Materie, zu erreichen, müssen wir im Ausgang von einem universellen Kontakt mit allem, was sich hier unten regt, nach und nach spüren, wie zwischen unseren Händen die besonderen Formen von all dem, was wir halten, verschwinden, bis wir nur noch im Ringen mit der einzigen Wesenheit aller Konsistenzen und aller Vereinigungen bleiben. Wir müssen, wenn wir dich haben wollen, dich im Schmerz sublimieren, nachdem wir dich wollüstig in unsere Arme genommen haben. Du herrschest, Materie, in den erhabenen Höhen, wo die Heiligen glauben, dir auszuweichen - so durchsichtiges und so bewegliches Fleisch, dass wir dich nicht mehr von einem Geist unterscheiden. Trage mich dorthin empor, Materie, durch das Bemühen, die Trennung und den Tod - trage mich dorthin, wo es endlich möglich sein wird, das Universum keusch zu umarmen! Theologische
Neuorientierung: der Christus Universalis 5 6 Auch verstehen wir vom christlichen Standpunkt her nicht mehr, weshalb Gott durch bloßes "Wohlwollen" sich auf eine solche Entfesselung von Leiden und Abenteuern hat einlassen können. Wir könne nicht mehr sagen, dass die unermessliche kosmische Sache, so wie sie sich heute uns offenbart, nur ein göttliches Spiel sei. Gott genügt sich durchaus selber. Dennoch bringt auch ihm das Universum etwas vital Notwendiges. Das sind die beiden scheinbar einander widersprechenden Bedingungen. Dieser Gegensatz erscheint auch angesichts der Entdeckung der Evolution immer noch gegeben und unüberwindlich. Um ihn aufzulösen, müssen wir uns eine Metaphysik schaffen, in der eine weitere Dimension vorkommt. Stellen wir an die Stelle des bisherigen Metaphysik des "Esse" eine Metaphysik des "Unire". Denn in der Metaphysik des "Esse" erschöpft der einmal gesetzte Akt alles, was es an Absolutem und Notwendigem im Sein gibt. In einer Metaphysik des "Unire", der Vereinigung aber zeigt sich, dass noch ein weiterer Grad der Einswerdung möglich ist: jene, die zu dem göttlichen Zentrum eine weitere "Aureole" reiner Vielheit heranholen würde. Wird er als Endzustand auf größtmöglichste Einswerdung hin tendierend definiert, enthält das universelle System eine "Freiheit" mehr. Die organische Unermesslichkeit des Universums lässt uns den Begriff der göttlichen "All-Genügsamkeit" neu zu denken. Gott vollendet sich. Er vervollständigt sich im Pleroma, in der Fülle. Darin erscheint die Allmacht Gottes neu. In der alten Sicht konnte Gott augenblickshaft einzelne Wesen so häufig schaffen, wie er wollte. Jetzt aber sagen wir, dass das Universum sich nur gemäß einem evolutiven Prozess einer personalisierenden Synthese vollziehen und nur ein einziges Mal ablaufen kann. Wenn das absolute Viele verwandelt ist, bleibt nichts mehr um es eins zu machen, weder in Gott, noch "außerhalb" von Gott. Sagen wir, dass Gott nur evolutiv erschaffen kann, lösen wir auch das Problem des Übels und erklären zugleich die offensichtliche und geheimnisvolle Verbindung von Materie und Geist. 7 Bisher ging es in der Glaubenspraxis um zwei Aspekte Christi: "Jesus-Mensch" und "Wort- Gott". Eine dritte Seite blieb im Dunkeln: die geheimnisvolle super-humane Gestalt, die wohl den grundlegendsten Intuitionen und den dogmatischen Aussagen der Kirche zugrunde liegt: Der, in dem alles geschaffen ist - der "in dem alles Bestand hat (Kol 1,15ff). Der, der durch sine Geburt und seinen Tod alle Schöpfung zu seinem Vater heranholt; der Christus der Eucharistie und der Parusie, der kosmische und vollendete Christus des heiligten Paulus. Kolosser, Kapitel 1 15 Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes. Er war bereits da, noch bevor Gott irgendetwas erschuf, und ist der Erste aller Schöpfung. 16 Durch ihn hat Gott alles erschaffen, was im Himmel und auf der Erde ist. Er machte alles, was wir sehen, und das, was wir nicht sehen können, ob Könige, Reiche, Herrscher oder Gewalten. Alles ist durch ihn und für ihn erschaffen. 17 Er war da, noch bevor alles andere begann, und er hält die ganze Schöpfung zusammen. 18 Christus ist das Haupt der Gemeinde, und die Gemeinde ist sein Leib. Er ist der Anfang und als Erster von den Toten auferstanden, damit er in allem der Erste ist. 19 Denn Gott wollte in seiner ganzen Fülle in Christus wohnen. 20 Durch ihn hat er alles mit sich selbst versöhnt. Durch sein Blut am Kreuz schloss er Frieden mit allem, was im Himmel und auf der Erde ist. Bisher ist dieser dritte Aspekt des inkarnierten Wortes unzulänglich von den beiden anderen unterschieden worden. Offensichtlich mangels eines konkreten Ausgangspunktes, um im christlichen Denken und in der christlichen Frömmigkeit anzukommen. Aber aufgrund der Reflexion und des menschlichen Strebens verbindet sich das Universum um uns. Es bricht vor unseren Augen in einer umfassenden Bewegung des Zusammenkommens auf. In der Erfahrung nimmt unsere moderne Kosmogonie die Gestalt einer Kosmogenese in Form einer Psycho- oder Noogenese. An deren Ende zeichnet sich eine höchster Brennpunkt personalisierende Personalität ab. Identifizieren wir also den kosmischen Christus des Glaubens mit dem Punkt Omega der Wissenschaft. Dann wird alles hell, weitet sich aus, wird harmonisch. Die physikalisch-biologische Evolution der Welt ist für die Vernunft im Blick auf ihren Zielpunkt nicht mehr unbestimmt. Sie hat einen konkreten Gipfel, ein Herz, ein Gesicht. Die Stellung Christi ist phantastisch. Wir halten hier den Schlussstein des zu bauenden Gewölbes in unseren Händen. Um die Synthese zwischen dem Glauben an Gott und dem Glauben an die Welt zu bewirken, brauchen wir nur in der Person Christi das kosmische Antlitz und die kosmische Funktion dogmatisch herausstellen, die ihn als ersten Lenker, als Seele der Evolution konstituieren. 8 9 Die göttliche Vaterschaft ist erste und grundlegende Botschaft des Evangeliums. Aber wir haben dieses Mysterium bisher vor allem nur unterdem, "familienhaften" Aspekt reflektiert. Der Vater, der, der regiert, der ernährt, der verzeiht, der belohnt… Aber nicht der, der bewegt, der, der zeugt. Nun hat ja der "pater familias", der König, seine Symbolkraft verloren. Unser Zeitalter will etwas Durchdringenderes, etwas Umfassenderes über allem menschlichen Wert anbeten. Das göttliche Zentrum strahlt, ohne seine personale Wärme zu verschleiern, immer stärker aus dem Quellstrom des Schöpferaktes auf. Es soll nun im trinitarischen Zentrum des Punktes Omega aufleuchten. Dann erst vermögen wir zu wirklich sagen: "Vater unser im Himmel." 10. Gott konnte ohne Universum
auskommen. Er konnte erschaffen, ohne sich zu inkarnieren. Die
Inkarnation brauchte weder mühselig und leidvoll sein. Nun werden diese
drei Geheimnisse ein einziges bilden. Schaffen heißt für Gott, sich mit
seinem Werk zu vereinen, sich durch Inkarnation - wie auch immer - in
die Welt hineinbegeben. Eine neue mystische Orientierung: die Liebe zur Evolution Auf seine anfängliche, noch "rohe" Gestalt zusammengefasst, in der er sich derzeit in die moderne Welt entfaltet, stellt sich der neue religiöse Geist als die leidenschaftliche Schau und Vorwegnahme einer Super-Menschheit dar. Weil diese die noch verschwommenen Züge eines unpersönlichen Kollektivs annimmt, vermag sich die von ihr im Bewusstsein geweckte Bewegung der "Anbetung" in diesem Stadium zunächst nur in Ausdrücken der nachdenkenden Intelligenz auszusagen: kann die Existenz der Bewegung, die uns totalisiert, erkennen und uns ihr entsprechend verhalten. In diesem Zusammenwirken unserer Fähigkeiten bleibt das Herz mit allem, was dieses Wort an energetischer und vitaler Fülle beinhaltet, unbefriedigt. Was geschieht, wenn der Christus-Universalis den Platz des Punktes Omega einnimmt? Dann verbreitet sich durch den ganzen Querschnitt der kosmischen Schichten ein warmes Licht, das aus der Tiefe der Dinge aufsteigt. Da die Kosmogenese sich zur Christogenese wandelt, personalisiert sich der Stoff, der Fluss, das Sein selbst der Welt. Ein "Jemand" ist im Universum im Werden, und nicht nur ein "Etwas". Jetzt wird es Gebot, die Evolution zu lieben. Vom christlichen Standpunkt aus analysiert, ist die Liebe zur Evolution keine einfache Ausweitung der Liebe zu Gott auf einen weiteren Gegenstand. Sie tritt vielmehr aus einem Neuguss des Begriffs Caritas hervor. "Du sollst Gott lieben." "Du sollst deinen Nächsten um der Gottesliebe willen lieben." In der neuen Formulierung: "Du sollst Gott in und durch die Genese des Universums und der Menschheit hindurch lieben", wird dieses doppelte Gebot des Evangeliums zu einer Geste von unerhörter Anwendungs- und Erneuerungskraft zusammengesetzt. Dank dieser Transposition wird die christliche Caritas mit einem Schlag dynamisiert, universalisiert und "pantheisiert". a) dynamisiert: meint
nicht mehr nur Schmerzen lindern, Wunden verbinden, Schwachheiten zu
Hilfe kommen - sondern aus Liebe mit aller Anstrengung und jeglicher
Entdeckung die Kräfte der Menschheit bis an ihren höheren Zielpunkt
vorantreiben. Man wirft dem christlichen Glauben vor, er erweise sich für die Welt von heute als unanwendbar, als unpraktikabel. Wie ließe sich die Welt mit dem Geist der Widerstandslosigkeit gegen das Übel und der irdischen Loslösung aufbauen, die von der Bergpredigt gefordert werden? Diese Widersprüche verschwinden vor dem Glanz der vom Christus-Universalis ausgestrahlten Super-Liebe - Super-Caritas. Diese lädt ein, Gott in und durch das in Evolution befindliche Universum hindurch zu lieben. Es gibt keine Aktionsformel, die konstruktiver, vollständigender, mitreißender, mehr Wirkung hätte und die darüber hinaus für alle noch unvorhersehbaren Erfordernisse der Zukunft offen ist. Das ist eine neue Mystik, in der sich im modernen Bewusstsein, unter dem christlichen Zeichen, die beiden Grundanziehungen verbinden wollen, die bisher das menschliche Anbetungsvermögen schmerzlich zwischen dem Himmel und der Erde, zwischen der Theo- und der Anthropozentrik hin und her rissen. Die neue Haltung stellt den komplexesten und den aufs höchste in sich geeinten Zustand dar, zu dem sich das menschliche Bewusstsein bisher zu erheben vermochte. Es ist nicht ersichtlich, in welcher Richtung sich dieses Bewusstsein noch höher in sich zentrieren könnte. Im "Akt der Super-Liebe" erweisen sich alle Formen des Einsehens und des Wollens von vornherein als unendlich sublimierbar, synthetisierbar und "amorisiebar". Deswegen erscheint die Liebe als die höhere und einzige Form, in deren Richtung alle anderen Arten geistiger Energien, indem sie sich transformieren und konvergieren - wie man in einem nach dem Grundplan und durch die Kräfte der Vereinigung konstruierten Universum erwarten durfte. Dieses Phänomen ist aber von der Entwicklung des Christus-Universalis in uns abhängig. Deshalb gewinnt man, je mehr man die großen Bewegungen des heutigen menschlichen Denkens beobachtet, um so mehr die Überzeugung, dass sich um das Christentum - in seiner "phyletischen", d.h. katholischen Gestalt - immer mehr die Hauptachse der Hominisation zusammenzieht. "Gott" - Adolf
Haas, Teilhard de Chardin-Lexikon, Grundbegriffe, Herderbücherei 1971
- Vergleich Teilhard-Kreis vom 18.03.2003 2. Gott als Person Gott muss für Teilhard Antlitz und Herz haben. Der Ozean, in den alle geistigen Ströme des Universums münden, ist nicht nur etwas, sondern ein Jemand. Ein unpersönlicher Gott wäre für Teilhard nicht Gott. Der Schöpfer einer Welt. die auf den Menschen ausgerichtet ist und die sich immer mehr personalisiert und auf einen letzten göttliche Zielpunkt hin tendiert, muss selbst Person sein, sonst wäre er dem von ihm geschaffenen Universum unterlegen. Gott als brennender Geist, personales, ungründliches Feuer, hebt auch die Versuchung des Pantheismus auf, der alles in einer zerstörerischen Zerschmelzung aufgehen lässt. Teilhard wollte der Anbeter eines Wesens sein, das größer ist als die Welt. Teilhard wollte der Anbeter eines Wesens sein, das größer ist als die Welt. Gerade eine evolutive Weltsicht stellt die Frage nach dem Ziel der Evolution. Das Gottesproblem besteht im Wesentlichen in der Frage nach einem Brennpunkt der Personalisation. Allein ein personaler Gott entspricht den Anliegen der menschlichen Person, die auf ein "Du" verwiesen ist und in den letzten Daseinsfragen nach dem göttlichen Du verlangt. Offenbarung ist nur von einem personalen Gott her verständlich. Teilhard setzt sich damit von dem modernen Positivismus ab, der Gott nur als uferloses Meer, als eine diffuse Unermesslichkeit betrachtet. Teilhard wusste, dass die beiden Bedingungen seines Gottesbildes - Kosmische Universalität und Personalität - als Widerspruch gesehen werden konnte. Denn wie konnte der Gott der kosmischen Evolution zugleich der höchste personale Gott sein, von dem wir uns um so mehr unterscheiden, je mehr wir uns in ihm verlieren? Daher ist es Aufgabe, sich von den alten Gottesbildern zu trennen: "die Welt wird in Zukunft die Knie nur mehr vor dem organischen Zentrum ihrer Evolution beugen." Die Personalität Gottes muss mit den tiefsten Anliegen einer in Entwicklung begriffenen Welt verbunden werden. In Christus, der Schöpfer der Welt und zugleich der und als Mensch gleich gewordene Erlöser, sind beide Bedingungen in höchste Weise erfüllt. "Das Christentum ist besonders die Religion der Person". 3. Gott, geoffenbart in Christus Die Botschaft Christi bedeutet den Höhepunkt der Offenbarung. In Christus ist uns Gott personal nahegekommen. Niemand hat Gott gesehen. Christus ist in die Welt gekommen, um Gottes Namen kundzutun. In Kreuz und Auferstehung offenbart sich der zürnende und zugleich gnädige Gott gegen alle menschliche Kraft und Weisheit. Die wesentliche Botschaft Christi sieht Teilhard in der Verkündigung einer göttlichen Vaterschaft. 4. Gott und Christus in allen Dingen Da Christus Schöpfer als Gott und Erlöser durch seine Menschwerdung ist, ist er in größter Intimität mit allem Seienden verbunden. Er ist das Herz von allem, ein unendlich nahes und zugleich unendlich fernes Zentrum. So ist es Teilhards Anliegen: Gott in allen Dingen finden. 5. Gott und die evolutive Welt In einer Welt, die auf Omega hin konvergiert, öffnet sich der Sinn für die Erde und bricht nach oben in den Sinn für Gott auf. Die Evolution bietet eine Möglichkeit, sich noch tiefer Gott nahe zu fühlen und hinzugeben. Ohne die Realitiät des lebendigen Gottes gibt es für die Menschheit wie für das Einzelwesen keine andere Aussicht als den vollständigen Tod. In einer evolutiven und konvergenten Welt steigt aber alles zu einem immanenten Brennpunkt empor. Aber von ihm steigt auch alles wie von einem transzendenten Brennpunkt herab. |