Marie-Joseph Pierre Teilhard de Chardin
1. Mai 1881 - 10. April 1955 (Ostersonntag)

Der Bad Waldseer 
Teilhard-de-Chardin-Kreis  
begrüßt Sie herzlich. Interessieren Sie sich für die faszinierende Persönlichkeit des Teilhard de Chardin.
Wir treffen uns zu den Gesprächskreisen. Die nächsten sind:
09. Juni
21. Juli
jeweils um 20 Uhr im Pfarrhaus, Gut-Betha-Platz 9

Teilhard-Kreis am 10/12/02
Teilhard-Kreis am 18/02/03 
Teilhard-Kreis am 18/03/03
Teilhard-Kreis am 22/04/03
Teilhard-Kreis am 22/07/03
Teilhard-Kreis am 09/09/03
Teilhard 7
Teilhard-Kreis am 16/03/04
Vortrag in Lauterbach
Teilhard-Biographie
Teilhard-Kreis am 04/05/04
Teilhard-Kreis am 06/09/05
Die Bedeutung Teilhard de Chardins ist offenkundig. Weniger bekannt ist, dass der Paläontologe und Forscher, der Denker, ein Mann des Gebets war. Beten hat er nicht verstanden als etwas, das säuberlich vom profanen Leben abgeschieden ist, sondern sich im Umgang mit der Wirklichkeit entfaltet. "Beten neben sein Leben stellen hieße den Schlüssel genau neben dem Schloss ansetzen", sagte er.
Das ist die frühe Erkenntnis des jungen Naturforschers, der sich mit der Frühgeschichte der Erde befasste: dass man Gott in aller Schöpfung begegnet, dass man Christus näher kommt, wenn man sich gläubig mit der Schöpfung beschäftigt.
Das konnte er im Ersten Weltkrieg erproben, den er von Anfang an bis zum Ende als Sanitäter an den vordersten Front erlebte. Nur selten hatte er die Möglichkeit zur Eucharistie, nur selten konnte er das Brevier beten. Aber er erfährt, wie alles Handeln und Heiligkeit einander bedingen und stützen und wie er die brutale Wirklichkeit des Krieges Gott zur Verwandlung darbieten kann 
Diese Erkenntnis und die Reife seines Glaubens kann er mit seiner Cousine Marguerite Teillard-Chambon teilen. Der Briefwechsel mit ihr entfaltet sich in der äußersten Situation von Todesbedrohung und -bereitschaft freimütig und intensiv. Er berät die ein paar Jahre jüngere Cousine in ihrem Verlangen nach einem Leben der engen Verbundenheit mit Gott. Er macht ihr begreiflich, dass alle Lebensformen heilig sein können. Er bemüht sich, ihr das Vertrauen in das langsame Arbeiten Gottes nahe zu bringen. Es kommt weniger auf dieses und jenes einzelne Tun an, sondern "unser Wesen muss brennen". Gleichzeitig vertraut er ihr seine Denkentwürfe zu einer christlichen Deutung des Kosmos an.
Sein Tod in der "Verbannung" in New York am Ostersonntag 1955, den er sich als Todestag gewünscht hatte, ist wie die bestätigende Antwort auf sein Leben aus dem Glauben.
Er hat diesen Glauben in doppelter Weise bezeugt: in dem, was er, aus früh gewonnener Glaubenseinsicht heraus, voll Eifer wirkte und als Rat und Weisung bereitwillig weitergab, und in dem, was er in seiner zweiten Lebenshälfte, getragen und erlitten hat: letzten Endes den Verzicht auf die Entfaltung seines eigentlichen Lebenswerkes.
Teilhard-Kreis am 22/0708
Teilhard-Kreis: die Weltformel
Teilhard-Kreis am 21/07/10
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Die Gesprächsrunden sind zuweilen Teil einer Eucharistiefeier, welche mit Texten von Teilhard de Chardin gestaltet wird. Sind Sie neugierig, sind Sie uns herzlich willkommen.

 

Die Feier der Eucharistie mit Texten Teilhard de Chardins


Der Göttliche Bereich - Le Milieu Divin
Der häufig von Christen geäußerte These "Der Mensch ist nichts, Gott ist alles" setzt Teilhard den im Werdeprozess befindlichen Menschen entgegen und gibt ihm einen hohen Rang als Mitarbeiter am Reiche Gottes und bei der Entstehung einer künftigen Welt.
Jede Existenz besteht aus zwei Komponenten: Handeln und Erleiden, Tun und Widerfahren. Beim Menschen geht es um die Polarität von Gott und Universum. Teilhard kämpft gegen die "Fahnenflüchtigen" der Erde, gegen die Minderbewertung der menschlichen Arbeit zugunsten der Jenseitsbeziehung. Er stellt die Bedeutung heraus, die dem menschlichen Tun zukommt. Nicht nur Absicht und Gesinnung haben Gewicht im Weltprozess, sondern auch das Werk des Menschen. Jeder ist verpflichtet, an seiner eigenen Vervollkommnung zu arbeiten; nur so trägt er zur Vollendung der Welt bei. Schon die kleinste Arbeit trägt zu der Vollendung bei. "Dies ist letzten Endes der Sinn und Preis unseres Tuns... Durch unser persönliches Bemühen um Vergeistigung trägt die Welt allmählich das zusammen, was aus ihr das himmlische Jerusalem oder die Neue Erde machen wird." Dem Buch ist als Motto vorangestellt: "Sic Deus Dilexit Mundum - So sehr hat Gott die Welt geliebt". Es ist dem  gewidmet, der die Welt liebt. Damit ist der Grundton der Mystik Teilhards angeklungen: die übermächtige Liebe zum Werden der Welt: "Im Namen unseres Glaubens haben wir das Recht und die Pflicht, uns leidenschaftlich für die Dinge der Erde einzusetzen."
Seit Angelus Silesius ist kein Mystiker bekannt, der den Christen einen so hohen Rang im Weltgeschehen zuspricht, wie Teilhard. "In unserer Zeit ist die Menschheit im Begriffe, erwachsen zu werden. Mit vollem Recht ist in ihr das Bewusstsein ihrer Kraft und ihrer Möglichkeiten erwacht. Es geht nicht darum, seine großartige Verantwortung und den herrlichen Drang, uns selbst zu schaffen, zu vermindern, sondern die menschliche Anstrengungen zu vergöttlichen

Wenn Sie sich jetzt schon von dieser Seite angesprochen fühlen, wenn Sie neugierig geworden sind, dann sind Sie in unserem Teilhard-de-Chardin-Gesprächskreis herzlich willkommen. Dann ist er das Rechte für Sie und Sie haben im Grunde schon längst auf eine solche Sache gewartet.


Die Evolution nach Teilhard de Chardin


"Betrachten wir einen Kegel und verfolgen wir in diesem Kegel die schrittweise Verkleinerung der Querschnitte im Verlauf einer fortwährenden, von der Basis zur Spitze gerichteten Verschiebung. Nichts ist von einem Punkt verschiedener als eine Fläche. Doch ergibt sich aus der von uns gewählten Bewegungsrichtung und den Eigenschaften des Kegels, dass eine der Achse des Körpers folgende gegebene Progression, nachdem sie lange Zeit nur zum Ergebnis hatte, den Inhalt der uns begegnenden Fläche zu verkleinern, ohne ihre Natur zu verändern, in einem gegebenen Augenblick auf die Fläche den Punkt folgen lässt. Der Kegel hat seine Spitze hervorgebracht. Eine neue Wirklichkeitsordnung enthüllt und verwirklicht sich durch Evolution." (Aus: Die Schau in die Vergangenheit).

In Sarcenat, dem Landsitz der Familie de Chardin, in der Nähe von Clermont-Ferrand, wird er geboren. Seine Familie kommt aus dem Landadel der Auverne. Der Vater ist Bibliothekar und weckt in seinem Sohn frühzeitig den Sinn für Mineralien, Pflanzen, Insekten, die Vogelwelt und damit auch die Beobachtungsgabe. Von seiner Mutter erbte er die religiöse Grundhaltung, welche die Atmosphäre in der Familie bestimmt. Pierre Teilhard wächst in einer "schützenden Hülle unproblematischer, katholischer Frömmigkeit heran". 1899 tritt er in Aix-en-Provence als Novize in den Jesuitenorden ein. Sein Juvenat absolviert er in Laval-sur-Mayenne und auf der Kanalinsel Jersey.

1905 fährt er als Lehrer für Physik und Chemie nach Ägypten, an das College de la Sainte-Familie in Kairo. 1908 wird er nach Hastings gesandt, um das theoretische Scholastikat auf dem Weg zur Priesterweihe zu absolvieren, die er 1911 empfängt. In dieser Zeit liest er das Buch "Schöpferische Entwicklung" von Henri Bergson, der auf philosophischem Wege die Versöhnung von Schöpfung und Entwicklung herbeizuführen versucht. Auf Teilhard machte dieses Buch größten Eindruck. Die Verbindung der Christologie mit der Lehre von Lyell, Huxley und Darwin kann Bergson in seinem Werk nicht herstellen, um so mehr wird es zum Lebensthema Pierre Teilhard de Chardins.

Henri Bergson

In den Kriegsjahren 1914-1918 war Teilhard an der Front als Priester und Sanitäter; unter anderem in Reims, Verdun und in den Vogesen. Von dort aus schickt er regelmäßig Briefe und Aufsätze an seine Cousine Marguerite Teillard-Chambion, die sich als Schriftstellerin Claude Aragonnès nannte. In den Kriegsjahren macht Teilhard Grenzerfahrungen, die sein Leben nachhaltig beeinflussen werden. Dass des Menschen Seele und Geist zur Evolution, zum Wachstum bestimmt sind, gehört von nun an zu den Grundüberzeugungen Teilhards. Nach dem Krieg beginnt Teilhard in Paris das Studium der Geologie und Paläontologie, das er 1922 mit einer Dissertation abschließt. Zugleich wird er Präsident der "Sociéte géologique de France".

1923 unternimmt Teilhard seine erste China-Reise. Als er 1924 zurück nach Paris kommt, stellt er fest, dass es der Obrigkeit der Kirche nach Einsicht in seine neuesten Schriften aus China bevorzugt, ihm jede Lehrtätigkeit zu untersagen. Wieder in China entsteht 1926 "Das Göttliche Milieu", eines der wichtigsten Werke von Teilhard. Es ist kein naturwissenschaftliches Werk, sondern die Darstellung seines Geistes. Die Veröffentlichung wird ihm untersagt und erfolgt erst zwei Jahre nach seinem Tod.
1927 geht Teilhard erneut nach Peking. Er gehört zu den ersten Geologen, die die Bedeutung der neuen Funde, insbesondere des Peking-Menschen, erkennen. Er folgt mit mit lebhaftem Interesse den Ausgrabungen und berichtet in wissenschaftlichen Arbeiten hauptsächlich über die Wirbeltierfaunen von Choukoutien (China). Bei Kriegsausbruch 1939 ist er gezwungen in China zu bleiben, wo er sein Lebenswerk "Le phénomène humain" ("Der Mensch im Kosmos") schreibt. Die Veröffentlichung erfolgt wiederum erst nach seinem Tod.
Das Jahr 1950 ist durch zwei Einschnitte in Teilhards Leben charakterisiert: die französische Akademie der Wissenschaften ernennt ihn zu ihrem Mitglied. Damit wird ihm die größte Ehrung zuteil, die Frankreich an seine Wissenschaftler zu vergeben hat. Gleichzeitig wird ihm von Rom nahegelegt, auf eine ihm angebotene Professur am Collège de France zu verzichten. Teilhard folgt auch hier den Forderungen der Kirche. Auf einer Reise in Südafrika schreibt er: "...fest entschlossen bin ich, ein Kind des Gehorsams zu bleiben. Ich kümmere mich nicht mehr um die Verbreitung meiner Ideen, sondern sie sie nur noch persönlich zu vertiefen." Teilhard als Paläontologe hat sich in Fachkreisen den Ruf eines soliden Forschers und umfassenden Kenners von Wirbeltier-Fossilien erworben. Teilhard als Reformer der christlich-katholischen Theologie und Begründer einer neuen Weltsicht bleibt der Welt vorerst unbekannt.
Nach seiner Afrika-Reise zieht er 1951 nach New York, wo er am 10. April 1955 stirbt. Kaum ist er tot, beginnt der Kampf um sein Werk. Ein Wirbelsturm erhebt sich, wie ihn die literarische Welt kaum je zuvor erlebt hat. Natur- und Geisteswissenschaftler, Protestanten und Reform-Katholiken stimmen Teilhard freudig zu. In Paris wird darauf die "Fondation Teilhard de Chardin" eingerichtet.

Teilhard de Chardin beschreibt die Entwicklung der Erde von Anfang an als ein Prozess von zweiseitiger Struktur, nämlich die Zunahme an Komplexität auf materieller Ebene sowie die Zunahme an Zentriertheit auf geistiger Ebene. Er bestreitet weder die Erkenntnisse Lamarcks, wonach die Evolution aufgrund von Gebrauch bzw. Nichtgebrauch eines Organs sowie durch Vererbung erfolgt, noch die Selektionstheorie Darwins explizit, setzt den Akzent jedoch anders, indem er im ersten teil seiner Theorie vor allem die Entstehung des Bewusstseins zurückverfolgt. Ebenso hat er die Erkenntnisse der Vererbungswissenschaft zur Kenntnis genommen und setzt diese seiner Theorie zugrunde. Teilhard de Chardin geht von einer gerichteten Evolution aus, wonach die zunehmende Komplexität der Elemente in  eine Richtung streben. Weshalb sie das tun, aufgrund eines Willens im Sinne der Psycholamarckisten, erklärt er nicht explizit. Eine eindeutige Parallele lässt sich jedoch im Vergleich mit den Orthogenesis-Rheoretikern ausmachen, die ebenso von einer gerichteten Evolution und einer Vervollkommnung der Organismen ausgehen. Auch bei ihnen kommt ein schöpferisches Moment hinzu.


Im Vergleich mit Darwin lassen sich zwei Punkte ausmachen, die von Bedeutung sind. Die Erkenntnisse aus der Sektionstheorie nimmt Teilhard als gegeben, er spricht sich gegen die Rassenlehre aus, die jedoch lediglich eine Folge der Selektionstheorie ist und nicht genuin darwinistisch. Ein markanter Unterschied zwischen Darwin und Teilhard liegt in der Auffassung vom Gang der Evolution. Während Darwin von einer graduellen Entwicklung im Sinne der natürlichen Auslese ausgeht, betrachtet Teilhard die Evolution als sprunghaft. Diese Auffassung teilt Teilhard mit de Neodarwinisten und Vertretern der Synthetischen Theorie. Der zweite Unterschied betrifft die Evolutionsmechanismen. Während Darwin davon ausgeht, dass die Evolution durch natürliche Auslese vorangetrieben wird, also quasi von unten her, liegen bei Teilhard die Triebkräfte der Evolution im Punkt Omega, der die Entwicklung der Elemente bewirkt, indem er sie zu sich hinaufzieht.

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