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| Die Bedeutung Teilhard de
Chardins ist offenkundig. Weniger bekannt ist, dass der
Paläontologe und Forscher, der Denker, ein Mann des
Gebets war. Beten hat er nicht verstanden als etwas, das säuberlich vom profanen Leben abgeschieden ist,
sondern sich im Umgang mit der Wirklichkeit entfaltet. "Beten
neben sein Leben stellen hieße den Schlüssel genau neben dem
Schloss ansetzen", sagte er. |
| Das ist die frühe
Erkenntnis des jungen Naturforschers, der sich mit der Frühgeschichte
der Erde befasste: dass man Gott in aller Schöpfung begegnet,
dass man Christus näher kommt, wenn man sich gläubig mit der
Schöpfung beschäftigt. |
| Das konnte er im
Ersten Weltkrieg erproben, den er von Anfang an bis zum Ende
als Sanitäter an den vordersten Front erlebte. Nur
selten hatte er die Möglichkeit zur Eucharistie, nur selten
konnte er das Brevier beten. Aber er erfährt, wie alles Handeln
und Heiligkeit einander bedingen und stützen und wie er die brutale Wirklichkeit des Krieges Gott zur
Verwandlung darbieten kann |
| Diese Erkenntnis und die
Reife seines Glaubens kann er mit seiner Cousine Marguerite Teillard-Chambon teilen. Der
Briefwechsel mit ihr entfaltet sich in der äußersten
Situation von Todesbedrohung und -bereitschaft
freimütig und intensiv. Er berät die ein paar Jahre jüngere
Cousine in ihrem Verlangen nach einem Leben der engen
Verbundenheit mit Gott. Er macht ihr begreiflich, dass alle
Lebensformen heilig sein können. Er bemüht sich, ihr das
Vertrauen in das langsame Arbeiten Gottes nahe zu bringen. Es kommt weniger auf dieses und jenes einzelne Tun an, sondern
"unser Wesen muss brennen". Gleichzeitig vertraut er
ihr seine Denkentwürfe zu einer christlichen Deutung des
Kosmos an. |
| Sein Tod in der
"Verbannung" in New York am Ostersonntag 1955, den
er sich als Todestag gewünscht hatte, ist wie die
bestätigende Antwort auf sein Leben aus dem Glauben. |
| Er hat diesen Glauben in doppelter
Weise bezeugt: in dem, was er, aus früh gewonnener
Glaubenseinsicht heraus, voll Eifer wirkte und als Rat und
Weisung bereitwillig weitergab, und in dem, was er in seiner
zweiten Lebenshälfte, getragen und erlitten hat: letzten
Endes den Verzicht auf die Entfaltung seines eigentlichen
Lebenswerkes. |
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