Das Engelwerk
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Das Engelwerk (Opus Sanctorum Angelorum)
geht auf Privatoffenbarungen von Gabriele Bitterlich (1896-1978) zurück.
Sie wird im Werk als "Mutter" verehrt. Die gebürtige Wienerin,
die später mit ihrer Familie in Innsbruck wohnte, begann auf Befehl ihres
Beichtvaters nach dem 2. Weltkrieg mit der Niederschrift ihrer Schauungen.
In einigen Diözesen Deutschlands besteht für Priester des Engelwerks Predigtverbot. Die römischen Auflagen gegenüber dem Engelwerk haben aber nie eine der Gemeinschaften generell verboten. Die bereits vorher in den österreichischen und einigen deutschen Diözesen durchgeführten Einschränkungen (wie z. B. das Verbot des Abhaltens von Exerzitien in manchen kirchlichen Häusern) bleiben aufrecht. |
Das Engelwerk Nicht nur "neben den Kirchen" machen religiöse Sondergemeinschaften mit seltsamen Lehren und Praktiken auf sich aufmerksam, sondern auch innerhalb der großen Kirchen suchen manche sich zu etablieren, dort gelegentlich mit sektenhaften Strategien und Formen, die von den reflektierten Glaubensgrundlagen wesentlich abweichen. Dazu gehört in der Katholischen Kirche das sog. Engelwerk (Opus Angelorum), im folgenden OA genannt. In der Entwicklung dieses Werkes spielt für die Organisation und Ausbreitung ein Kreis von Priestern, rechtlich organisiert, eine zentrale Rolle. Für Lehre und Spiritualität geben die angeblichen Privatoffenbarungen der "Seherin" Gabriele Bitterlich, in vielen Schriften niedergelegt, die Grundlagen ab. Gabriele Bitterlich, geboren 1896 in Wien, 1978 gestorben und in einer, 1965 vom Engelwerk erworbenen Burg begraben, wird in Kreisen des OA "Mutter" genannt. Vom inneren Leitungskreis wurde sie schon zu Lebzeiten als Mythos für das OA hochstilisiert. Zur Lehre und Spiritualität führt Heinrich Graf von Soden-Fraunhofen, Weihbischof und Bischofsvikar in der Region Nord des Erzbistums München und Freising, in einem Beitrag aus: "Mit der Darstellung einer reichgegliederten Engelhierarchie um den Thron eines in unnahbarer Ferne bleibenden Gottes gehen die Visionen der Schriften des Engelwerks weit über die kirchliche Lehre hinaus. Die Ursprünge solcher zunächst dualistischer Lehren kamen aus dem Persischen, gingen über die jüdische Sekte der Essener in die spätmittelalterliche Mystik, die Kabbalistik, und von dort in die Anschauungen der Rosenkreuzer und der Freimaurer ein. Die guten und die gefallenen Engel stehen sich in spiegelgleichen Gruppen und Aufgaben gegenüber und treten in dieser apokalyptischen Endzeit zur letzten Schlacht um die Herrschaft Gottes an. Die Menschheit wird in diesen Endkampf miteinbezogen, indem sich jeder einzelne an einen guten oder bösen Geist bindet.... Von unserem himmlischen Vater und seinem Sohn, unserem Bruder Jesus Christus, ist nicht die Rede. Die Theologie des Engelwerks stellt einen error per expressum (Irrlehre) dar1. Im Juni 1992 hat die römische Glaubenskongregation in einem Dekret zum Engelwerk Stellung genommen: I. Die aus den angeblichen Offenbarungen Gabriele Bitterlichs stammenden Theorien über die Welt der Engel, deren persönliche Namen, Einteilungen und Funktionen dürfen in der Organisation und um Baugerüst des Engelwerks sowie im Kult, in den Gebeten, in der geistlichen Bildung, in der öffentlichen und privaten Spiritualität, im Seelsorgedienst oder im Apostolat weder gelehrt noch in irgend einer Weise explizit oder implizit verwendet werden. Diese Anordnung gilt auch für jedes andere Institut oder jede andere Vereinigung, die kirchlich anerkannt ist. Der Gebrauch und die Verbreitung von Büchern oder anderen Schriften, die die obenge nannten Theorien enthalten, sind außerhalb wie innerhalb der Vereinigung verboten. II. Die verschiedenen Formen der "Engelweihe", die im Engelwerk geübt werden, sind verboten. III. Außerdem sind sowohl die sogenannte "Fernspendung" der Sakramente als auch die Einfügung von Texten, Gebeten und Riten, die sich direkt oder indirekt auf die genannten Theorien beziehen, in die eucharistische Liturgie oder das Stundengebet verboten. IV. Exorzismen dürfen ausschließlich nach den Normen und der Disziplin der Kirche zu dieser Frage und unter Gebrauch der kirchlich approbierten Formeln durch geführt werden. V. Ein vom Heiligen Stuhl ernannter Delegat mit besonderen Vollmachten wird im Kontakt mit den Bischöfen die Anwendung der oben angeführten Normen überprüfen und darauf dringen. Er wird sich bemühen, die Beziehungen zwischen dem Opus Angelorum und dem Orden der Regulierten Kanoniker vom Heiligen Kreuz zu klären und zu regeln. Der Heilige Vater Johannes Paul II. hat im Verlauf der dem unterschriebenen Präfekten gewährten Audienz das vorliegende Dekret, das bei der ordentlichen Versammlung dieser Kongregation beschlossen worden war, genehmigt und seine Veröffentlichung angeordnet. Rom, am Sitz der Glaubenskongregation, 6. Juni 1992 Joseph Card. Ratzinger, Präfekt Alberto Bovone, Titularerzbischof von Youks-les-Bains, Sekretär |
P. Hansjörg Bitterlich (der Sohn der Gründerin) wurde nach seiner heftigen Kritik an den römischen Verfügungen als Leiter des Klosters St. Petersberg in Tirol abgesetzt und vom Orden exklaustriert. Ihm ist es laut Gehorsamsbefehl seines Ordensoberen verboten, in Fusch (dem Sitz der "Gesellschaft für religiöse Brauchtumskunde in Österreich") oder anderswo, direkt oder durch Mittelspersonen, irgendein Werk oder irgendeine Vereinigung zu unternehmen oder zu fördern, welche die gemäß Dekret der Glaubenskongregation untersagten Theorien oder Praktiken verwenden oder verbreiten würde. Skeptisch beurteilte P. Bitterlich die Aussichten, dass sich das "Engelwerk" in der Kirche durchsetzen werde: "Das Engelwerk ist durch das römische Dekret kaputt. Aber es wird sich herausstellen, was wahr und was falsch ist".
Das Problem sind beim Engelwerk nicht primär die spezifischen Engelnamen, sondern die Deutung der Gegenwart als konkrete Endzeit mit den damit verbundenen "Schlachten" und einem daraus sich ergebenden dualistischen Denken. Das eigentliche theologische Problem stellt die spezifische Sicht des Engels in seiner Stellung zum Menschen dar. Gott und Jesus Christus scheinen (trotz aller betonten "Christozentrik" von Seiten des Engelwerks) weit weg gerückt zu sein, auch wenn von seiten des Engelwerks stets betont wird, dass die Engel auf Gott hinweisen und den Menschen zur Erkenntnis Gottes führen möchten.
Auch wird seit dem Verbot verschiedener Praktiken durch das Dekret der Glaubenskongregation vom 6. Juni 1992 stets betont, dass diese "nach besten Willen und Gewissen auch eingehalten werden".