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DIE ORTHODOXE KIRCHE
Die Orthodoxe Kirche versteht sich als die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, die von Christus begründet, auf dem Zeugnis der Apostel beruhend, bis zum Schisma von 1054 als die alleinige christliche Kirche ungeteilt in der damaligen Ökumene bestanden hat. Das Wort „orthodox“ bedeutet: rechter Glaube und rechter Lobpreis. Damit soll ausgedrückt werden: der richtige Glaube offenbart sich in der richtigen Lobpreisung Gottes oder: der richtige Lobpreis geht aus dem richtigen Glauben hervor.
Diesen richtigen Glauben, diesen richtigen Lobpreis trägt die Orthodoxe Kirche über die Jahrhunderte hinweg unversehrt und unverändert weiter durch Tradition und apostolische Sukzession.
Gründung
Die orthodoxe Kirche sieht sich in Sukzession der auf Jesus von Nazareth zurückgehenden Jerusalemer Urgemeinde und der apostolischen Gemeindegründungen außerhalb Palästinas. Die Prägung des Christentums durch griechische Bildung vor allem im Ostteil des Römischen Reiches und durch lateinische, syrische oder koptische Sprache in anderen Reichsteilen führte zu einer zunehmenden Verselbständigung der größeren Lokalkirchen. Ab dem 5. Jh. kommt es zur Trennung der Reichskirche von den altorientalischen Christen (Ostsyrer, Westsyrer, Armenier, Kopten, Äthiopier) und im 11. Jh. zur offiziellen Trennung des griechisch geprägten Christentums vom lateinischen. Seither verstehen sich die Christen des Byzantinischen Reiches und der von dort missionierten slawischen Reiche als »orthodox«, d. h. sowohl »rechtgläubig« als auch »(Gott) recht lobpreisend«.
![]() Geschichte 5. Jh.: Spaltung mit den Altorientalen 9. Jh.: Kyrillos und Methodios missionieren die Slawen 988: Taufe Russlands 11. Jh.: Aufgabe der communio in sacris mit Rom 1204: 4. Kreuzzug erobert Konstantinopel 1438/9: Unionsversuch mit Rom scheitert 1453: Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen; Russland versteht sich nun als führender orthodoxer Staat ab 19. Jh.: Befreiung von den Osmanen, Nationalstaatengründungen in Südosteuropa 1920: Enzyklika »An die Kirche Christi allerorts« des Ökumenischen Patriarchates, im Anschluss Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen Geschichte in Deutschland
Die Kirche in Berlin Wilmersdorf18./19. Jh.: erste orthodoxe Gemeinden 1917/18: sprunghafte Zuwanderung von Russen, später Aufteilung der Gläubigen auf drei konkurrierende Diözesen (abhängig von Moskau, Konstantinopel bzw. der sog. Auslandskirche) 1963: Gründung der Griechisch-Orthodoxen Metropolie unter dem Ökumenischen Patriarchat, heute zahlenmäßig größte Diözese 1969: Gründung des serbischen Bistums 1993: Gründung des bulgarischen Bistums 1994: Gründung des rumänischen Bistums, Gründung der KOKiD |
Assyrische Kirche ("Nestorianer") Die Assyrische Kirche des Ostens erkennt nur die beiden ersten Konzilien des Christentums, nämlich das Erste Konzil von Nicäa und das Erste Konzil von Konstantinopel, an und wird deswegen auch Kirche der zwei Konzilien genannt. Sie wird oft auch als Nestorianische Kirche bezeichnet, lehnt jedoch diesen Namen als Selbstbezeichnung ab. Altorientalen ("Monophysiten") Die Monophysiten werden auch als Kirchen der drei Konzilien oder als vor- bzw. nicht-chalcedonische Kirchen bezeichnet (da sie das Konzil von Ephesus als letztes Konzil anerkennen, jedoch nicht mehr das Konzil von Chalzedon). Zu ihnen zählen die * Armenische Apostolische Kirche * Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo Kirche * Eritreisch-Orthodoxe Tewahedo Kirche * Koptische Kirche * Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien * Malankara Orthodox-Syrische Kirche (Indien) * Mar-Thoma-Kirche (Indien) Östlich-Orthodox Die orthodoxen Kirchen werden auch als Kirche der sieben Konzilien bezeichnet. Es handelt sich um rechtlich selbstständige, aber in (gelegentlich durch Schismen und gegenseitige Nichtanerkennung beeinträchtigter) Kirchengemeinschaft stehende Kirchen mit gemeinsamer, an den sieben ökumenischen Konzilien von Nicäa I — Nicäa II definierter Theologie und im Wesentlichen gemeinsamer Liturgie, aber unterschiedlichen Sprachen. In Gemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchat * Kirche von Konstantinopel (Ökumenisches Patriarchat von Konstantinopel) * Kirche von Albanien (Erzbistum von Albanien) * Kirche von Alexandria (Patriarchat von Alexandria) * Kirche von Amerika (Erzbistum von Amerika) * Kirche von Bulgarien (Patriarchat von Bulgarien [bulgarisch-orthodoxe Kirche]) * Kirche von Georgien (Patriarchat von Georgien [georgisch-orthodoxe Kirche]) * Kirche von Griechenland (Erzbistum von Griechenland [griechisch-orthodoxe Kirche]) * Kirche von Jerusalem (Patriarchat von Jerusalem) * Kirche von Polen (Erzbistum von Polen) * Kirche von Antiochia (Patriarchat von Antiochia [rum-orthodoxe Kirche]) * Kirche von Rumänien (Patriarchat von Rumänien [rumänisch-orthodoxe Kirche]) * Kirche von Moskau und ganz Russland (Patriarchat von Moskau und ganz Russland [russisch-orthodoxe Kirche]) * Kirche von Serbien (Patriarchat von Serbien [serbisch-orthodoxe Kirche]) * Kirche von Tschechien und der Slowakei (Erzbistum von Tschechien und der Slowakei) * Kirche von Zypern (Erzbistum von Zypern) |
Lehre
Die orthodoxe Kirche verwendet als zentralen Bekenntnistext das Glaubensbekenntnis von Konstantinopel aus dem Jahre 381. Will man die Lehre der orthodoxen Kirche von der römisch-katholischen und reformierten Dogmatik abgrenzen, so wird man im ersteren Fall v. a. die Ablehnung eines Jurisdiktionsprimates des Papstes und seiner Unfehlbarkeit, die Ablehnung der unbefleckten Empfängnis Mariens, die Hinzufügung des »Filioque« (d. h. daß der Heilige Geist aus dem Vater und dem Sohn [= filioque] hervorgegangen sei) ins Glaubensbekenntnis, etliche Differenzen in der Sakramentenlehre und die Ablehnung des Fegefeuers aufzählen. Von den Protestanten trennt die Orthodoxen v. a. ein anderes Amtsverständnis (besonderes Priestertum vs. Predigeramt), die Heiligen-, Reliquien- und Bilderverehrung, wiederum Unterschiede in der Sakramentenlehre. Typisch für orthodoxe Frömmigkeitsmentalität ist zudem eine sehr enge Bindung an die Tradition – neben der Bibel spielen die Texte der Kirchenväter in Predigt und Katechese eine bedeutende Rolle –, außerdem eine stärkere Zulassung des Gefühls im Frömmigkeitsleben, was sich auch in einer stärkeren Hinwendung zu mystischen Gebets- und Meditationsformen (Herzensgebet) äußert. Dadurch haben auch die Klöster Einfluß für das Leben kirchlich gesinnter Familien. In Deutschland gibt es allerdings nur zwei Kleinstklöster.
Wichtige Elemente der religiösen Praxis
Im Zentrum des kirchlichen Lebens steht die eucharistische Liturgie. In ihrer alle Sinne ansprechenden Ausgestaltung mit symbolhaften Handlungen, Kerzen, Weihrauch, Bildern (Ikonen), Hymnen, Musik (meist nur Vokalmusik) und ihrer langen Dauer von ca. zwei bis drei Stunden soll sie den Gläubigen aus der profanen Welt heraus- und in die Sphäre des Heiligen hineinführen. Höhepunkt ist die Teilnahme an der Eucharistie, die in Gestalt von Rotwein und gesäuertem Brot mit dem Löffel gereicht wird. Brot und Wein werden im Sinne der Realpräsenz als Leib und Blut Christi verstanden. Das nach Ende der Liturgie an alle verteilte Brot (Antidoron) ist gesegnetes, aber nichteucharistisches Brot.
Anders als die Sonntage werden die Lebensabschnittsfeste Taufe, Ehe und Bestattung von praktisch allen Gläubigen kirchlich begangen. Es wird die Kindertaufe mit Übergießen des ganzen Körpers, sofortiger Spendung des Chrisma (vergleichbar der Firmung) und nachfolgendem Eucharistieempfang auch des Kleinkindes praktiziert. Die Ehe gilt als vom Priester gespendetes Sakrament und wird mit dem Ritus der Krönung begangen, der die Heiligkeit der Ehe anzeigen soll. Der Bestattungsritus am offenen Sarg mit letztem Kuß für den Verstorbenen soll »Trauerarbeit« und Abschied unterstützen. Daneben gibt es noch die Sakramente der Beichte, der Krankensalbung und der Priesterweihe. Wichtig ist auch die Versorgung mit Weihwasser oder die in einem neu bezogenen Haus vollzogene Wasserweihe.
Zentrale Feste des Kirchenjahres sind Weihnachten, das am 25. Dezember gefeiert wird, das allerdings bei den Ortskirchen mit julianischem Kalender (vor allem
Russland, Serbien, Palästina, Berg Athos) auf den gregorianischen 7. Januar fällt, Epiphanie (6. Januar), Ostern, Pfingsten und Mariae Entschlafung am 15. (bzw. 28.) August. Während die meisten autokephalen (unabhängigen) Kirchen den gregorianischen Kalender für die feststehenden Feste (z. B. Weihnachten) übernommen haben, blieb man für die Osterfestberechnung beim julianischen Kalender, um das Osterfest gemeinsam zu begehen. So kommt es im Vergleich zu den Christen westlicher Tradition zu Terminverschiebungen, die sich aus den jährlich differierenden Abweichungen von julianischer Zeitberechnung und astronomischem Sonnen- und Mondlauf ergibt. Außerdem darf in der orthodoxen Kirche Ostern nicht mit jüdischem Pessah zusammenfallen, da Jesus nach
Passah auferstand (was im Westen nicht mehr beachtet wird). Den hohen Festen gehen Fastenzeiten voraus, die in den letzten Jahrzehnten nur noch von wenigen Gläubigen und/oder stark verkürzt beachtet werden.
Europäische / deutsche Besonderheiten
In westlichen Ländern mit orthodoxen Parallelorganisationen (Diözesen der jeweiligen Nationalitäten) wird nach Strukturen gesucht, die die Wahrnehmung gemeinsamer Interessen und eine Vertretung der orthodoxen Kirchen nach Außen ermöglicht, ohne die national bestimmten Bindungen der einzelnen Diözesen aufgeben zu müssen. In Deutschland wurde deshalb 1994 die »Kommission der orthodoxen Kirche in Deutschland – Verband der Diözesen« (KOKiD) gegründet, in der jene orthodoxen Diözesen vertreten sind, die miteinander in Kommuniongemeinschaft stehen.
Da die Zahl deutscher Konvertiten begrenzt ist und die Verbindung der orthodoxen Zuwanderer zur Heimat gerade in der Kirche gesucht wird, sind typisch deutsche Elemente oder auch Deutsch als Gottesdienstsprache kaum zu beobachten. Anpassungen zeigen sich allenfalls bei den Gottesdienstzeiten, die sonntags oft etwas später liegen oder an Werktagen auf den Abend verschoben werden, um den Besuch möglich zu machen.
Verbreitung
Die orthodoxen Gläubigen (ca. 150 Mio.) leben zunächst einmal in den Ländern mit traditionell orthodoxer Bevölkerung in den selbständigen Ortskirchen. Es sind dies in der Reihenfolge des Ehrenranges:
Erzbistum von Konstantinopel und Ökumenisches Patriarchat (Sitz: Istanbul): 3.500.000
Patriarchat von Alexandreia: 750.000
Patriarchat von Antiocheia (Sitz: Damaskus): 750.000
Patriarchat von Jerusalem: 250.000
Patriarchat von Russland (mit Ukraine): 100.000.000
Patriarchat von Serbien: 8.000.000
Patriarchat von Rumänien: 20.000.000
Patriarchat von Bulgarien: 8.000.000
Patriarchat von Georgien: 3.000.000
Kirche von Zypern: 350.000
Kirche von Griechenland: 10.000.000
Kirche von Polen: 500.000
Kirche von Albanien: 170.000
Kirche von Tschechien und der Slowakei: 150.000
Durch Migration leben orthodoxe Christen heute in allen Teilen der Welt, wobei die USA, Australien und Deutschland (1,2 Mio.) zahlenmäßig am bedeutendsten sind. Meist sind für die neu entstandenen Gemeinden nach dem Nationalitätenprinzip Bistümer getrennt nach Sprachgruppen gegründet worden, die von den Heimatkirchen abhängen.
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Patriarch Bartholomaios Erzbischof von Konstantinopel, dem Neuen Rom und Ökumenischer Patriarch |
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Alexij II. - Patriarch von Moskau und ganz Russland |
Organisation
Die orthodoxen Landeskirchen sind in der Regelung ihrer inneren Angelegenheiten voneinander unabhängig, d. h. autokephal. Die Rangfolge der autokephalen Kirchen bezieht sich lediglich auf Ehrenvorränge, die z. B. bei Konzelebration bedeutsam werden. Das Erzbistum von Konstantinopel hat als Ökumenisches Patriarchat den Ehrenvorrang ohne jurisdiktionelle Kompetenzen, kann jedoch in gesamtorthodoxen Angelegenheiten die Initiative ergreifen und – nach Abstimmung mit den anderen autokephalen Kirchen! – die orthodoxe Kirche insgesamt nach außen vertreten. Die autokephalen Kirchen haben Glaube, Gottesdienst und kirchliche Ordnung gemeinsam und leben dies durch Konzelebration auch sakramentaler Gottesdienste und durch Synoden, die Angelegenheiten von gesamtorthodoxer Bedeutung behandeln.
Es gibt drei Weihegrade des höheren Klerus: Diakon, Priester und Bischof. Innerhalb dieser Weihegrade gibt es weitere Abstufungen (beim Bischof z. B. Weih- bzw. Titularbischof ohne eigene Diözese, Erzbischof, Metropolit oder Patriarch), die eine Anerkennung für geleistete Arbeit, Dienstalter oder Wichtigkeit der Position zum Ausdruck bringen, aber auch Funktionsunterschiede haben können. Während die Bischöfe aus dem unverheirateten Klerus gewählt werden, können Priester und Diakone verheiratet sein.