die Anderen
in Bad Waldsee
Kirchen

Orthodoxe Kirche

Altkatholische Kirche
kirchliche
Gemeinschaften
nicht alle sind in der Gemeinde öffentlich
sichtbar, doch werden sicher einzelne,
mehr oder weniger Gemeindemitglieder ihr
sich einzelnen zugehörig fühlen.
Charismatische
Erneuerung
Selipreisungen
Schönstatt
OpusDei
Emmanuel
Immanuel
Petrus-Bruderschaft
Sekten
fest in Bad Waldsee sind die
Neuapostolische Kirche und die Zeugen Jehovas.
Die anderen, haben eine Anhängerschaft,
sind aber auswärts orientiert.
Freie
Christengemeinde
Neuapostolische
Kirche
Zeugen
Jehovas
Mormonen
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Universelles Leben
Scientology
andere
Religionen

Islam
- Richard
Schitterer -
Christentum
in Auseinandersetzung mit dem Islam
Bezirkstag der Kolpingsfamilien Bodensee-Oberschwaben
Sekten das schlechte Gewissen der Kirchen?
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Mitunter liest man Sätze wie "Während jährlich Massen von Katholiken und Protestanten ihren Kirchen den Rücken kehren, haben die Sekten ungebrochenen Zulauf." |
| Sekten-Checkliste | ![]() |
Schon bei einem „Ja“ Vorsicht ![]() |
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Bei der Gruppe findest du exakt das, was du bisher vergeblich gesucht hast. Sie weiß erstaunlich genau, was dir fehlt. |
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Schon der erste Kontakt eröffnet dir eine völlig neue Sicht der Dinge. |
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Das Weltbild der Gruppe ist verblüffend einfach und erklärt jedes Problem. |
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Es ist schwer, sich ein genaues Bild von der Gruppe zu machen. Du sollst nicht nachdenken und prüfen. Deine neuen Freunde sagen: „Das kann man nicht erklären, das muss man erleben – komm doch gleich mit in unser Zentrum.“ |
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Die Gruppe hat einen Meister, ein Medium, einen Führer oder Guru, der allein im Besitz der ganzen Wahrheit ist. |
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Die Lehre der Gruppe gilt als einzig echtes, ewig wahres Wissen. Die etablierte Wissenschaft, das rationale Denken, der Verstand werden als Verkopfung, als negativ, satanisch oder unerleuchtet abgelehnt. |
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Kritik durch Außenstehende wird als Beweis betrachtet, dass die Gruppe Recht hat. |
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Die Welt treibt auf eine Katastrophe zu, und nur die Gruppe weiß, wie man die Welt retten kann. |
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Die Gruppe ist die Elite, und die übrige Menschheit ist krank und verloren – solange sie nicht mitmacht beziehungsweise sich retten lässt. |
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Du sollst sofort Mitglied werden. |
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Die Gruppe grenzt sich von der übrigen Welt ab, etwa durch Kleidung, Ernährungsvorschriften, eine eigene Sprache, strenge Reglementierung zwischenmenschlicher Beziehungen. |
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Die Gruppe will, dass du alle „alten“ Beziehungen abbrichst, weil sie deine Entwicklung behindern. |
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Dein Sexualverhalten wird dir exakt vorgeschrieben, etwa Partnerwahl durch die Leitung, Gruppensex oder auch totale Enthaltsamkeit. |
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Die Gruppe füllt deine gesamte Zeit mit Aufgaben: Verkauf von Büchern oder Zeitungen, Werben neuer Mitglieder, Besuch von Kursen, Meditation ... |
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Es ist schwer allein zu sein – jemand aus der Gruppe ist immer dabei. |
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Wenn du zweifelst, wenn sich der versprochene Erfolg nicht einstellt, bist du „selbst schuld“, weil du dich angeblich nicht genug einsetzt oder weil du nicht stark genug glaubst. |
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Die Gruppe verlangt strikte Befolgung ihrer Regeln und Disziplin – als einzigen Weg zur Rettung. |
Was sind die Gründe für einen Beitritt
bei Sekten?
* Sekten üben eine Faszination des intensiveren Gruppenklimas,
stärkerer Zuwendung zum Einzelnen und des Zusammenhalts in der überschaubaren Gruppe. Das wirkt auf manchen anziehender als die oft erlebte Anonymität von großen Gemeinschaften und Kirchen - gerade wenn jemand unter Einsamkeit leidet und Gemeinschaft sucht. Der Nachteil liegt darin, dass diese verstärkte Binnenkommunikation in Sekten durch eine Beschränkung der Außenkommunikation entsteht.
Zwischenmenschliche Beziehungen werden auf die eigene Gruppe reduziert.
Dagegen lässt die unverbindlichere Atmosphäre in Großkirchen dem Einzelnen die Freiheit, selbst über das Maß an Nähe und Distanz zu entscheiden, das er zu seiner Gemeinde haben
möchte, denn Gruppen mit so intensivem Binnenklima haben meist vereinnahmende Tendenzen.
* Sekten haben eine homogene Struktur. Man trifft dort in der Regel nur Leute, die einen in der eigenen Lebensentscheidung bestätigen. Es sind Gruppen von 100%ig Engagierten - im Unterschied zu den Großkirchen mit ihren sehr verschiedenen Stufen von Engagement und Identifikation sowie den verschiedenen theologischen Richtungen (von konservativ bis progressiv) in ihnen.
Homogene Gruppen können angenehmer sein, weil ich in ihnen nicht durch andere Glaubens- und Lebensstile in meiner eigenen Entscheidung angefragt werde, sondern
ja nur Signale der Bestätigung erhalte. Gerade unsichere Menschen fühlen sich mit ihren Zweifeln in dieser Atmosphäre der Gewissheit aufgehoben. Allerdings fallen damit auch viele aus dem Raster, die sich nicht in diesem Maße damit identifizieren können bzw. ihr Leben so stark von der religiösen Gemeinschaft prägen lassen wollen. In den Großkirchen gibt es Raum für verschiedene Spiritualitäten und Stufen des Engagements.
* Sekten vermitteln ein Gefühl des Auserwähltseins, des Zur-Elite-Gehörens - wozu in der Regel auch ausgeprägte Feindbilder gehören. Das wird mitunter als sinnstiftend bzw. als Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls erfahren. Solche Haltungen können und wollen die großen Kirchen nicht vermitteln.
* Sekten sind ein Rückzugsraum aus einer als böse, verkommen, bedrohlich und kalt empfundenen "Welt" - eine Art Alternativgesellschaft. Das in Sekten vorherrschende dualistische Weltbild (Gut - Böse, Wir - der Rest der Welt) entspricht dem Lebensgefühl manches Einzelnen.
Das können Großkirchen nicht vermitteln, die sich aufgerufen sehen, diese Welt mit zu gestalten.
* Sekten haben das die man als "Rotkäppchen-Prinzip". Sie wissen genau, welcher Lebensweg der allein richtige für einen ist (so nach dem Bild aus dem Märchen: "Nur geradeaus auf diesem Weg geht es zur Großmutter, rechts und links lauert der böse Wolf."). Das wirkt auf Menschen anziehend, die von einer pluralen Gesellschaft und der Vielzahl der in ihr existierenden Lebensstile und -möglichkeiten verwirrt sind. Sie fühlen sich überfordert, sich in dieser Vielfalt entscheiden zu müssen und sind dankbar, wenn ihnen jemand eindeutig sagt, wo es lang geht.
Die Faszination des Fundamentalismus ist nebenbei gesagt typisch für plurale Gesellschaften. Die dort vermittelte Eindeutigkeit gilt dabei sowohl für Fragen der Lebensgestaltung als auch für religiöse Themen. Kirchen verstehen sich demgegenüber als Teil der pluralen Gesellschaft und haben ein Wissen von der Vielfalt der Spiritualitäten, Lebensstile und Wege, die zu Gott und zu einem gelingenden Leben führen (ohne dabei zu verleugnen, dass es auch Lebensstile gibt, die von Gott weg führen und das Leben beeinträchtigen). Auch in ihren religiösen Aussagen bleibt ein Raum der Unsicherheit, des Geheimnisses Gottes. Sekten vermitteln demgegenüber eine geschlossene Lehre, die keine Fragen offen lässt.
* Sekten haben, vor allem wenn sie neueren Datums sind, die Faszination des Neuanfangs und Aufbruchs. Sie
haben noch keine Geschichte (und den damit verbundenen Brüchen und dunklen Seiten in
ihr). Sie strahlen eine gewisse Frische aus. Prozesse des Einzugs von Routine und der Institutionalisierung sind noch nicht bzw. erst im Entstehen. Bei allen schon länger existierenden Gemeinschaften (von den großen Kirchen über die Gewerkschaften bis zum Deutschen Fußballbund) haben diese Prozesse der Institutionalisierung längst stattgefunden (und waren geschichtlich notwendig, wenn eine Gemeinschaft über längere Zeit bestehen will).
Ebenso weiß jede Gemeinschaft mit längerer Geschichte um eigene Irrwege und Versagen. Demgegenüber ist bei Sekten oft zu beobachten, dass eigenes Versagen verleugnet bzw. einzelnen "unerleuchteten" Mitgliedern in die Schuhe geschoben wird. So wird die "Reinheit" der eigenen Gruppe nach außen und im Empfinden der Mitglieder gewahrt.
* Sekten können in ihren Verheißungen vollmundig auftreten. Gemeinschaften, die schon
lange existieren, haben im Laufe ihrer Geschichte auch Enttäuschungen und das Scheitern
großer Entwürfen erlebt. Sie haben erfahren, wie schwierig es ist, manche Veränderungen in der Gesellschaft bzw. bei sich selbst zu erreichen. Das hat sie etwas realistischer und weniger enthusiastisch werden lassen.
Mancher meint, die Antworten der älteren Kirchen zu kennen und erwartet von ihnen nicht mehr viel. Im Laufe der Geschichte haben sie aus seiner Sicht zu wenig bewirkt, so dass er sich von neueren bzw. für ihn bisher unbekannten Gemeinschaften neue Lösungen erhofft. Interessant ist dabei, dass Gemeinschaften, die z. B. in Asien auch schon eine jahrhundertealte Tradition verkörpern, im westlichen Umfeld als neu und unverbraucht erlebt werden, während sie in ihren Herkunftsländern ein ähnliches Image wie die großen Kirchen bei uns haben.
* Sekten sind klassische Nischenanbieter. Sie bedienen eine spezielle Erwartungshaltung meist auch noch für ein bestimmtes gesellschaftliches Milieu. Durch diese Beschränkung können sie ihre (in der Regel zahlenmäßig kleine) Zielgruppe optimal ansprechen. Die Kirchen müssen immer die Vielfalt der Bedürfnisse und der Milieus ihrer Mitglieder im Auge haben - die ja die gesamte gesellschaftliche Vielfalt repräsentieren - und können sich deshalb nicht auf eine einzelne Zielgruppe beschränken. Die Sendung der Kirchen hat alle Menschen im Blick und nicht nur eine zahlenmäßig recht kleine Nische.
Mancher faszinierende Zug einer Sekte entspringt ihrer Überschaubarkeit. Bei entsprechender Größe
können auch sie den Prozessen der Institutionalisierung und Anonymisierung nicht ausweichen. Mit anderen Dingen besetzen sie Nischen, die andere Gemeinschaften aus guten Gründen nicht besetzen wollen.
Als Anfrage an die großen Kirchen könnte man Sekten insoweit verstehen, dass sie Bedürfnisse mancher Menschen aufzeigen, welche sie in den Gemeinden der großen Kirchen nicht erfüllt sehen. Manche dieser Bedürfnisse können die großen Kirchen nicht erfüllen, weil sie ihrem Selbstverständnis widersprächen bzw. auch dazu führen würden, dass eine große Zahl von Gemeindemitgliedern eine
"versektete" Kirche verlassen würde. Es ist sicher nicht nur der Familientradition geschuldet, dass die Anhängerzahl von Sekten verschwindend gering ist im Vergleich zu den Kirchenmitgliedern. Die Sekten werben seit ca. 40 Jahren intensiv um Mitglieder. Dass sie bei diesem Einsatz so wenig Anhänger haben, beweist, dass die überwiegende Mehrzahl der Menschen sich in ihnen nicht heimisch fühlt und die freiere (wenn auch anonymere) Atmosphäre anderer Gemeinschaften (einschließlich der großen Kirchen) bevorzugt.
Eine Möglichkeit, mit manchen der oben geschilderten Bedürfnisse umzugehen, könnte in neuen geistlichen Gemeinschaften und kleinen überschaubaren Gruppen in den Gemeinden bestehen. Sicher sollte man fragen, wie solche Bedürfnisse entstehen können. Sie müssen für den einzelnen drängend sein, wenn er zu ihrer vermeintlichen Erfüllung solche Nachteile in Kauf nimmt, wie sie eine Sektenmitgliedschaft mit sich bringt. Hier
kann man fragen, was im Vorfeld getan werden müsste, um risikoärmere Alternativen für den Umgang mit diesen Bedürfnissen zu finden. Allerdings ist das nicht nur eine Aufgabe der Kirchen, sondern der gesamten Gesellschaft.
Nicht zu vergessen ist auch, dass der religiöse Pluralismus in einer freiheitlichen Gesellschaft ganz normal ist. Religiöse Splittergruppen hat es in jeder freien Gesellschaft gegeben und wird sie auch weiterhin geben. Mit dieser Erscheinung zu leben, gehört zu den normalen Lebensvollzügen des Pluralismus.